Friedrich-August-Hütte - Das hätte sich der Regisseur besser verkneifen sollen. Da bändelt er doch tatsächlich während der Aufführung im Zuschauerraum mit Tilda an. Jolanthe, die als Wahrsagerin Madame Kassandra gerade auf der Bühne steht, ist stinksauer. Und das lässt sie den Casanova auch spüren, als dieser wenig später in der Rolle des Fensterputzers seinen Einsatz hat. Siedend heißes Wasser kippt sie ihm in den Putzeimer. Natürlich verbrennt sich der Mann gehörig die Flossen.

„Nix as Kuddelmuddel“ heißt das Stück, mit dem De Plattdüütschen am Mittwoch im Kasino Friedrich-August-Hütte Premiere feiern. 50 Besucher sind gekommen, um sich die Komödie anzuschauen. Das sind deutlich weniger, als es die Plattdüütschen gewohnt sind. Aber das Ensemble lässt sich dadurch nicht irritieren. Mit großer Spielfreude gelingt es den Darstellern, den nicht ganz einfachen Stoff umzusetzen. „Nix as Kuddelmuddel“ hat mit einem klassischen plattdeutschen Schenkelklopfer so gut wie nichts zu tun. Im Mittelpunkt steht eine zweitklassige Theatergruppe, in der es drunter und drüber geht: Fehlende Requisiten, verpatzte Einsätze, ein döspaddeliger Bühnentechniker, ein schwerhöriger Schauspieler, Eifersüchteleien vor und hinter der Bühne.

Im ersten Akt erlebt das Publikum die Generalprobe, im zweiten die Aufführung. Theater im Theater: Die meisten Darsteller müssen jeweils in zwei Rollen schlüpfen. Ganz schön knifflig. Aber sie meistern die Herausforderung, vor allem Andrea Thormählen, die in ihrer Doppelrolle glänzt.

Im ersten Akt kommt die Komödie noch etwas statisch daher. Im zweiten Akt wird das Publikum für seine Geduld belohnt. Das Chaos nimmt seinen Lauf. Jetzt kommen die Pointen in immer kürzeren Abständen. Jetzt spiegeln sich die unterschwelligen Rivalitäten, die im Ensemble herrschen, im Bühnenstück wider und geben ihm einen völlig neuen Verlauf. Der Ablauf gerät außer Kontrolle, und das Publikum hat einen Heidenspaß am Kuddelmuddel.

Den Applaus haben sich De Plattdüütschen redlich verdient. Das Lustspiel von Jürger Hörner, das die Varelerin Elke Theesfeld inszeniert hat, kommt gut an, auch wenn es aufgrund seiner zwei Handlungsebenen nicht ganz so leicht verdaulich ist wie traditioneller Bauernschwank.