Das Hamburger Sammlerpaar Stephan und Birgit Hupertz vereint das Faible für abstrakte und ungegenständliche Kunst. Aus ihrer Sammlung werden rund 100 Werke ab 7. Februar im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg ausgestellt. Ein Gespräch mit dem Sammler Hupertz.

Herr Hupertz, Sie sind Architekt, Ihre Frau ist Grafikerin. Sind es die Berufe, die Ihre Liebe für diese Art der Kunst geweckt hat, die vielfach nur aus geometrischen Formen und Farbflächen besteht?

Hupertz Tatsächlich bin ich über die Architektur zur Kunst gekommen. Das Interesse entstand schon im Studium in Zürich, als ich mich erstmals mit dem Kubismus befasst habe. Nach einer Vorlesung habe ich bei der Kunsthändlerin Heidi Weber, die Institution für Le Corbusier und damals beliebter Treffpunkt der Studenten, meine erste Lithografie dieses Künstlers erworben: die „Bouteilles“ – Flaschen.

Wissenswertes zur Hupertz-Schau

Stephan und Birgit Hupertz sammeln seit Mitte der 1960er Jahre Malerei, Grafik und Skulpturen mit dem Schwerpunkt Abstraktion und Ungegenständlichkeit. Rund 500 Werke umfasst die Sammlung, die 2007 im Schloss Gottorf in Schleswig und 2013 im Ernst Barlach Haus in Hamburg gezeigt wurde.

Von 5. Februar bis 1. Mai werden 100 Leih­gaben der Sammlung, darunter 43 neu erworbene Werke, im Augusteum zu sehen sein. Stephan ­Hupertz spricht bei der Eröffnung am 4. Februar um 17.30 Uhr im Schlosssaal (ohne Anmeldung/Eintritt frei). Info zu Ausstellung und Hygieneregeln unter

Das Blatt von Le Corbusier, dem wohl bedeutendsten Architekt der Moderne, ist also Grundstein Ihrer Sammlung?

Hupertz Ja. Wir haben zusammen zunächst Grafik gekauft. Damals konnte man ein Blatt von Miro noch für 150 Mark erwerben. So ergab sich ein Sammelsurium, in dem neben Werken der École de Paris, Jean Dubuffet oder Pierre Soulages, auch Hamburger Künstler wie Hanne Darboven oder Horst Janssen vertreten sind. In der zweiten Phase sammelten wir schon gezielter. Unsere Wahl fiel auf die russischen Konstruktivisten, doch als nach dem Mauerfall 1989 immer mehr Fälschungen auf den Markt kamen, haben wir uns verstärkt auf Konkrete Kunst und den amerikanischen Minimalismus konzentriert. Inzwischen ist die Sammlung auf rund 500 Werke angewachsen, die in drei Katalogen versammelt sind.

Leidenschaften haben es so an sich, dass sie rationales Denken nicht selten außer Kraft setzen. Machen Sie diese Erfahrung mitunter, wenn Sie in einer Versteigerung bieten?

Hupertz Meistens behalte ich einen kühlen Kopf, doch bei zwei Auktionen habe ich mich über mich selbst erschrocken. Da bin ich weit über mein ­Limit gegangen. Doch bei den wirklich guten Sachen muss man einfach mitbieten und sich sagen „also los, druff“. Wir kaufen allerdings auch vielfach im Handel und sind mit vielen Galeristen befreundet, die uns beraten.

Sind Sie sich bei den Entscheidungen immer einig?

Hupertz Bei Ankäufen haben wir eine ganz einfache Verabredung. Es gibt ein Vetorecht, von dem wir selten Gebrauch machen. Wir haben eine sehr gemeinsame Sehweise, die man gegenüber dem Bücherschrank ebenso sehen kann wie an den Wänden.

Zur Sammlung gehört auch ein Kleid von Andy Warhol. Wie kam das ins Haus?

Hupertz Das Kleid wurde damals in riesiger Auflage als Werbegag eines Supermarktes hergestellt. Als Muster zeigt es die berühmten Campbell’s Suppendosen. Wir haben das Kleid gekauft, weil es mit einem anderen Werk der Sammlung korrespondiert. Es hängt bei uns gegenüber einem Bord mit echten Suppendosen der kanadischen Künstlergruppe General Idea. Das Kleid geht als Leihgabe in die Ausstellung. Die Konserven wollen wir jedoch nicht hergeben, aus Angst, dass sie unterwegs aufplatzen.

Begleitend zur Ausstellung wird ein Filmporträt von Ihnen gezeigt. Man sieht Sie in ihrer Wohnung vor unzähligen Kunstwerken. Ist der Film ein Novum?

Hupertz Die Wand ist unsere Spielwiese, 80 Bilder und Reliefs hängen dort, schon allein, um all die Werke unterzubringen. Beim Sortieren hat unser Freund Herwig Guratzsch geholfen, der ehemalige Direktor von Schloss Gottorf. Dabei haben wir alle Bilder auf dem Fußboden ausgelegt, bis uns auffiel, dass keinerlei Platz mehr für die Leiter ist (lacht). Dass zur Ausstellung ein Film von uns gedreht wird, ist neu. Die Idee gefiel uns sehr. So ­erfährt das Publikum gleich, wes Geistes Kind man in den Räumen sieht.