Fedderwardersiel - Einer Gugelhupf-Backform sah das Objekt des Monats Mai im Nationalparkhaus und Museum Fedderwardersiel durchaus ähnlich und deshalb drängte sich die Frage auf, was an einer gewöhnlichen Backform so außergewöhnlich sei. Aber was die Museumsmitarbeiter in ihrem Archiv gefunden und schließlich ausgestellt haben, war keine alltägliche Backform sondern eine Beestmelkklütjen-Form.
Selbst im landwirtschaftlich geprägten Butjadingen kommen diese Formen nur noch selten zum Einsatz. Das war für das Museum Grund genug, die Verwendung des Fundobjektes den Besuchern einmal kulinarisch vorzuführen. Das Fedderwardersieler Restaurant „Nordseeblick“ kochte mit einer solchen Klütjen-Form nach dem Originalrezept aus dem Butjenter Kokbook gleich mehrere Beestmelkklütjen und im Museum wurde den Besuchern die frische Spezialität zur Verkostung angeboten – zusammen mit süßem Zuckerrübensirup.
Hauptbestandteil des Klütjens ist die Biestmilch - also die erste Milch von Kühen nach der Geburt eines Kalbes. Die Milch ist wichtig für in den ersten Lebenstagen des Kalbes und verfügt deshalb über besonders viele Nährstoffe und viel Energie. Allein äußerlich unterscheidet sie sich von normaler Kuhmilch durch ihre kräftige gelbe Farbe. Und diese Farbe verleiht dann auch dem Beestmelkklütjen seine markante Färbung.
Einen guten Beestmelkklütjen herzustellen, erfordert Fingergeschick und Erfahrung. Aus der Biestmilch wird zusammen mit Eiern, Mehl und einer Prise Salz ein pfannkuchenähnlicher Teig verrührt. Diese Masse wird dann in der speziellen Form in einem Wasserbad für über eine Stunde gegart. Gegessen wird der Beestmelkklütjen dann mit Sirup, Kompott, brauner Butter oder in der Pfanne angebraten.
Vor allem den kleinen Leckermäulern im Fedderwardersieler Museum schmeckte die Sonderaktion. Und auch einen pädagogischen Wert hatte das besondere Angebot: Von einem Kind hörten Ellen Böning und Annegret Martens, dass es eine solche Form auch schon mal bei der Großmutter gesehen habe und nun verstehe, was damit gemacht werde.
Um ein ganz anderes Thema geht es am Donnerstag, 6. Juni, ab 19.30 Uhr im Nationalparkhaus und Museum Fedderwardersiel. Dr. Wolfgang Clemens hält einen Vortrag zum Thema „Müll im Meer und seine Folgen“. Mit eindrucksvollen Bildern stellt der neue Vorsitzende des Mellumrats Untersuchungen zur Strandvermüllung auf den Inseln Mellum und Minsender Oog vor. Mit seinem Beitrag beginnt die diesjährige Vortragsreihe des Nationalparkhaus und Museums. Bis zum 3. Oktober wird es jeden ersten Donnerstag im Monat einen Vortrag geben.
In den letzten 20 Jahren wurden 54 000 Müllteile durch den Mellumrat gesammelt und analysiert. Dabei handelt es sich nur um „die sichtbare Spitze des Eisberges“. Jährlich gelangen rund 20 000 Tonnen Müll in die Nordsee, der größte Teil von Schiffen und Fischereifahrzeugen. Meeresverschmutzung durch Müll ist nicht auf unsere Küstenregion oder die Nordsee beschränkt, sondern ein weltweites Problem. Netzreste und andere Müllteile haben vielfältige negative Auswirkungen auf Fische, Vögel und Meeressäuger.
