Nordenham/Sydney - Ich liebe Sydney. Auch nach fast eineinhalb Jahren in der australischen Metropole hat die Stadt nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Es ist nach wie vor unmöglich für mich, mit der Fähre am weltberühmten Opernhaus vorbeizufahren, ohne ein schnelles Foto zu machen. Gleiches gilt für die Harbour Bridge, die wir hier wegen ihrer Form „Kleiderbügel“ nennen. Ein Tag übertrifft im Hafen von Sydney jedoch alles: Silvester.
28 Grad angekündigt
Der 31. Dezember ist für einen Norddeutschen hier aus mehreren Gründen speziell. Da wäre zum einen das Wetter: Für heute sind 28 Grad angekündigt, was für diese Jahreszeit aus australischer Sicht mild, aus deutscher Sicht aber ein Fall für Sonnencreme und eine abkühlende Dusche ist.
Da wäre zum anderen die Tatsache, dass Millionen Menschen – das ist nicht übertrieben – an diesem Tag in der Stadt unterwegs sind. Sie haben alle nur ein Ziel – und das ist der absolute Höhepunkt dieses Festes: das Feuerwerk im Hafen. Mehr als eine Million Menschen schauen rund um den Port Jackson zu, unzählige weitere sind auf privaten Feiern in der ganzen Stadt unterwegs. Im Fernsehen sehen das Spektakel weltweit angeblich rund eine Milliarde Menschen.
Unter dem Motto „City of Colour“ und mit einem Budget von mehreren Millionen Australischen Dollar soll das Feuerwerk in diesem Jahr noch bunter und beeindruckender werden als 2014. 100 000 pyrotechnische Körper mit einem Gesamtgewicht von satten sieben Tonnen sollen insgesamt gezündet werden, darunter allein 2400 auf der Harbour Bridge. Optisch werden sie Pflanzen, Wale, Kängurus und andere Tiere in die Luft zeichnen. Durchs Hafenbecken schippern dazu bunt beleuchtete Schiffe.
Bürgermeisterin Clover Moore hat schon einmal angedeutet, dass es das größte Feuerwerk aller Zeiten werden könnte. Ob sie damit das größte der Stadt oder der ganzen Welt meinte, ließ sie offen. Dabei waren meine Freundin Maren und ich schon im vergangenen Jahr sprachlos, als unzählige Raketen über der Oper in die Luft geschossen wurden – und das sogar schon bei dem achtminütigen „Kinderfeuerwerk“ um 21 Uhr, das bereits größer war als alles andere, was wir zum Jahreswechsel je gesehen haben. Vom zwölf Minuten langen Hauptfeuerwerk um Mitternacht ganz zu schweigen.
Vergangenes Jahr haben wir Silvester am Circular Quay neben der Oper verbracht. Um einen Platz unter den Menschenmassen zu ergattern, waren wir schon um 14 Uhr dort. In diesem Jahr wird es für mich nun etwas anders sein, unter anderem deshalb, weil Maren in der Heimat ist.
Ich beginne den Tag wieder mit einem Silvesterlauf – das ist Tradition seit den Tagen des Nordenhamer Laufs rund um den Bauernweg am Silvestermorgen. Diesmal geht die Runde allerdings am Pazifik entlang. Im Anschluss schaue ich im Hafen vorbei, um ein paar Fotos von den wartenden Massen zu machen.
Freier Balkon-Blick
Und das Feuerwerk? Das schaue ich mir diesmal auf der Party eines Freundes in Bondi an. Der hat vom Balkon aus freien Blick auf die Harbour Bridge. Etliche Stunden vorher einen Platz reservieren – das muss ich also nicht.
Dennoch werde ich heute mehrmals auf die Uhr schauen. Wenn wir in Sydney gerade im neuen Jahr ankommen, sitzen viele Nordenhamer noch gemütlich am Mittagstisch. Zurzeit sind wir Deutschland wegen der Zeitverschiebung zehn Stunden voraus. Wenn hier das große Feuerwerk losgeht, ist es zu Hause also erst 14 Uhr. Ich werde an euch denken.
