„Feierlaune fegt Sturm hinweg“ (NWZ vom 17. Februar 2020).

Ich habe am Sonntag nach vielen Jahren mal wieder den Karnevalsumzug in Ramsloh besucht und war erschüttert, was aus dieser Veranstaltung geworden ist! Riesige Trecker zogen verbarrikadierte Anhänger, von denen laute Musik dröhnte. Die Leute auf den Anhängern feierten offenbar ihr eigenes Fest, was mit Karneval nichts zu tun zu haben schien. Das Wort „Helau“ kannte man jedenfalls nicht und ich starrte in ungläubige Gesichter, wenn ich denen diesen Karnevalsruf entgegenrief.

Erst später dämmerte es mir: Die Treckerfahrer glaubten auf einer Demo zu sein, um dort mit möglichst großen Fahrzeugen auf sich aufmerksam zu machen und die Leute auf den Anhängern glaubten, Teilnehmer einer Techno-Parade zu sein. Die Motive und die Themen der Wagen erschlossen sich einem nicht, waren die doch lieb- und einfallslos „bekleistert“. Von den Leuten auf den verbarrikadierten Anhängern konnte man ohnehin nur die Gesichter sehen, so hoch waren die Schotten – wohl, damit die schon in Höhe des Bahnhofs Ramsloh total Betrunkenen nicht vom Wagen fallen konnten.

Auch das scheint neuerdings Mode zu sein: Sich bereits Stunden vor Beginn des Umzugs zu treffen, um „Vorzuglühen“. Einige Fußgruppen schoben Einkaufs- und Bollerwagen randvoll mit Alkohol vor sich her und grölten alles andere – nur nicht „Helau“.

Für die Zuschauer am Straßenrand war dieser Umzug eine einzige Zumutung, niveaulos und peinlich. Es tat mir leid um die Fußgruppen, die sich viel Mühe mit der Kostümierung gemacht haben und um die Spielmannszüge, die gegen das Gewumme aus den Lautsprecherboxen anspielen mussten. Schade!

Petra Henken Oldenburg