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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Veranstaltung: Das Schwarze sind Buchstaben

10.04.2010

BERLIN 1998 bezeichnete Michael Naumann, damals SPD-Kulturstaatsminister in Berlin, die stets gut besuchten Bad Hersfelder Festspiele als „Lachnummer des deutschen Feuilletons“. Er hatte zwar recht, empörte aber viele.

Bald darauf löste er eine weitere Welle der Kritik aus. Naumann wandte sich gegen den geplanten Bau eines Denkmals für die ermordeten Juden in Berlin. Den ersten Entwurf für das Holocaust-Mahnmal verglich er mit „Speer-Architektur“. Auch das nahm man übel.

2004 wurde Naumann wegen Beleidigung des Berliner Generalstaatsanwaltes zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt. Naumann hatte in einer TV-Sendung zum Skandal um Michel Friedmann den Staatsanwalt als „durchgeknallt“ bezeichnet.

Sinnüberflutung

Naumann ist ein Intellektueller, der Kritik anlockt und Widerstand aushält. So auch jetzt wieder. Obwohl er als Chefredakteur des Magazins „Cicero“ wenig Zeit und noch überhaupt keinen fertig formulierten Vortrag hat, sagt er klar: „Ich meine, dass die Flitterwochen mit dem Internet als Informationsmedium nur noch ein, zwei Jahre andauern. Dann wird sich der Staub der Debatte gelegt haben. Und man wird feststellen, dass die traditionelle Tageszeitung unverzichtbar ist!“

Nein, nimmt er gleich Einwände vorweg, man werde natürlich nicht aufs Internet verzichten können. „Es wird das Internet als vierte neue Welt geben neben Radio, Fernsehen und dem gedruckten Wort. Aber das gedruckte Wort ist das älteste und wichtigste mediale Instrument – das wird immer existieren!“ Das will er also ausführen am 20. April in seinem Vortrag im Rahmen des OLB-Forums. Auch von der Sinnüberflutung und Verrohung der Kommunikation im Netz wird da die Rede sein. Der passende Ort für den Vortrag? Die ehrwürdige Johannes a Lasco Bibliothek in Emden.

Naumann gehört zu einer Generation, die das Internet von Beginn an nutzte („Da habe ich auch viele Fehlinvestitionen im Privatleben getätigt!“). Die These, dass das Internet ein Generationenproblem sei, hält der 68-Jährige für „Quatsch“. Altern? Offenbar eine schlechte Gewohnheit, die der beschäftigte Mann gar nicht erst aufkommen lässt. Schon vor 20 Jahren habe er als Rowohlt-Verleger das „Chaos-Computer-Club- Buch“ veröffentlichen lassen. Damals habe er sich mit Kumpels spaßeshalber ins Pentagon „gehackt“. Noch heute lacht er tüchtig darüber.

Durchgeknallt

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„Mir ist nichts neu!“, ruft Naumann fröhlich aus. „Ich war ein früher Internet-User, bereits in den USA“, wo er mal lebte. „Heute sind wir ein paar Sauseschritte weiter, mehr nicht.“ Deshalb trage sein Vortrag den heftigen Titel „Das Schwarze sind die Buchstaben. Über die Zukunftslosigkeit des Internets“.

Übrigens hat Naumann später den überarbeiteten, viel besseren Entwurf für das Holocaust-Mahnmal verwirklichen lassen. Auch mit Hersfeld wurde alles gut. Keine Lachnummer: Der Minister reiste zur Eröffnung der Festspiele an. Und gegen das Urteil wegen Beleidigung des Staatsanwalts legte Naumann eine Verfassungsbeschwerde ein. 2009 urteilte das Bundesverfassungsgericht: Die Bezeichnung, so die weisen Richter, „durchgeknallter Staatsanwalt“ stelle nicht zwingend eine Beleidigung dar. Naumann bekam, wie so oft, Recht.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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