Düsseldorf - Ist es ein kulturpolitischer Sündenfall? In der Nacht zum Donnerstag werden in New York bei Christie’s zwei wertvolle frühe Bilder von Andy Warhol (1928–1987) aus dem Besitz des NRW-Casino-Betreibers Westspiel versteigert. Westspiel gehört indirekt dem Land Nordrhein-Westfalen.
Das 100-prozentige Tochterunternehmen der landeseigenen NRW.Bank argumentiert, dass die Warhol-Bilder sowie mehr als 200 andere Kunstwerke in den 70er und 80er Jahren nur zu „Ausstattungszwecken“ gekauft worden seien. Die immens im Wert gestiegenen Warhol-Siebdrucke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ lagerten aus Sicherheitsgründen seit 2009 in einem Tresor. Niemand habe sie vermisst, kein NRW-Museum habe sie je als Leihgabe für eine Ausstellung angefragt. Mit dem erhofften Auktionserlös von 100 Millionen Euro will Westspiel seine defizitären Casinos sanieren und eine neue Spielbank in Köln bauen.
Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schrieb als Antwort auf einen Protestbrief von Museumsdirektoren, dass Westspiel die Bilder mit eigenen Mitteln erworben habe. Die Warhol-Kunstwerke seien „kein nationales Kulturgut“, das vor dem Verkauf ins Ausland geschützt werden müsse. Die Landesregierung habe nicht die Absicht, Kunst aus direktem Landesbesitz zur Haushaltskonsolidierung zu verkaufen.
Wolfgang Becker, der Gründungsdirektor des Aachener Ludwig Forums, verfasste einst einen Katalog mit den Kunstwerken der Aachener Spielbank. Als einer der wenigen Personen aus der Kulturszene ist Becker für den Verkauf. „Die Bilder wurden als Dekoration für die Spielbank gekauft, sie waren umgeben von Menschen, die rauchten, tranken, lebten“, sagt er. „Kein Mensch hat sich dafür interessiert, dass die Bilder in Wert gestiegen sind.“
26 namhafte NRW-Museumsleiter warnten Ministerpräsidentin Kraft, einen Präzedenzfall zu schaffen. Dass der Erlös zur Deckung von Defiziten bei Westspiel oder gar zum allgemeinen Schuldendienst des Landes NRW herangezogen werde, mache den Vorgang zu einem „brisanten Politikum“. Auch die in Berlin residierende Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) warnte Rot-Grün in NRW vor einem „Tabubruch“. Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, meint, dass als nächster Schritt die verschuldeten kommunalen Haushalte versucht sein könnten, sich mittels ihrer Kunstbestände zu sanieren.
Auch Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder (Berlin), hält den Verkauf für leichtfertig. Wenigstens der Erlös der Auktion müsse zwingend der Kunstförderung in NRW zugute kommen.
