DELMENHORST - Nachtleben ist in der gegenwärtigen Malerei – anders als bei den „Jungen Wilden“ – ein Ausschauhalten nach Dämonen, ein Moment der Flucht oder die Zeit der Träume. Die Städtische Galerie Delmenhorst hat wiederholt junge Künstler zu Themenausstellungen eingeladen. Diesmal ist es die „Nacht“, an der sich die Fantasie von zehn namhaften Malerinnen und Malern entfaltet.

Nicht die Bars und Bühnen, sondern Felder, Seen, der Mond und die dunklen Ecken in den Häusern werden zum Raum einer Auseinandersetzung mit dem romantischen Erbe in der Kultur. Norbert Schwontkowski lässt den „Dr. Freud“ auf einen See hinausfahren und vor einer riesigen Mondscheibe über die Abgründe des Menschen reflektieren.

Nachtfahrt und Flucht über das Wasser beginnen schon vor dem Morgendämmern, wie Herbert C. Ottersbach darstellt. Es ist die gefährliche Zeit der Wölfe, die Daniel Richter vor einem schwarzen Waldrand verharren lässt. Aber die Dunkelheit, die in den Städten in diffuses Licht verwandelt wird, ist auch die Zeit der Attentate, deren Vorgänge schemenhaft bleiben.

Künstlerinnen wie Rosa Loy und Julia Oschatz verlagern die Ängste der Nacht, das Erwachen und Erstarren vor dem Unbekannten in Szenen auf unheimlichen Dächen und Treppen. Lichtquellen im dunklen Raum oder an den Fassaden großer Wohnblöcke bestimmen die Bilder von Armin Boehm, während Thomas Zipp das Feuer eines nächtlichen Vulkanausbruchs malt.

Krass kontrastieren dagegen die schönen, mit Sinn für Ornamentik gemalten Blattwerke zahlloser fiktiver Bäume und Büsche in Bildern von Hartmut Neumann, während die Astmotive von Karin Kneffel mit runden mondähnlichen Lampenkugeln an reale Gartenlokale erinnern.

Die Vergangenheit lebt in vielen der Bilder, nicht zuletzt in den eigentümlich gemalten Wandbild-Fragmenten von Michael Kunze – bei allen großen Namen das Stärkste und Provokativste der Ausstellung. Pasolini am Kreuz – vielleicht sind die Schrecken der Nacht doch mehr Film-Erinnerung als eigener Traum.