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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Neue Variationen über die Variationen

11.10.2019

Delmenhorst Was für ein Malör! Da soll der Cembalospieler Johann Gottlieb Goldberg den ruhelosen Reichsgraf von Keyserlingk mit kunstvoller Musik in den Schlaf wiegen. Zu diesem Behuf hat Johann Sebastian Bach 1742 ja schließlich seine berühmten Goldberg-Variationen verfasst. Doch der wackere Cembalist schläft beim Partiturstudium selbst ein – und die Musik macht sich selbstständig.

Natürlich, es handelt sich um einen Traum, den die Musikreihe „Zwischen Zeiten“ im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) in Delmenhorst lebendig macht. Für die Eröffnung des 14. Symposiums haben 16 Komponisten und Komponistinnen aus mehreren Ländern Variationen im Zusammenhang mit den Goldberg-Variationen entworfen. Die Oldenburger Professorin Violeta Dinescu, 2006 Gründerin der Reihe, hat dazu angeregt. Die meisten Variationen über die Variationen sind dem Bremer Professor Michael Heinemann zu dessen 60. Geburtstag gewidmet; er gilt als Bach-Experte ersten Ranges und begleitet die HWK-Reihe von Anfang an.

Zu Anamaria Mezas Musik muss der Cembalist verdammt tief geschlafen haben, denn dazu lässt es sich eigentlich nicht träumen. Meza löst die metrische Ordnung auf, steigert die Aufregung. Goldberg schreit schließlich angsterfüllt auf. So löst sich die Verkrampfung. Die melodischen Elemente von Bachs ursprünglicher Aria stellen die Ruhe wieder her.

Höchstens vier Minuten durfte jede der 16 Uraufführungen dauern. Das höchst engagierte Trio Contraste aus Bukarest stellt die Interpreten. Ion Bogdan Stefanescu (Flöten), Doru Roman (Schlagzeug) und Sorin Petrescu (Klavier) bestechen mit einem intensiv ausgetüftelten Farbenreichtum. „47 Instrumente sind im Einsatz, dabei auch 77 Paare von Schlegeln“, rechnet Dinescu vor. Das weist vor allem auf die Percussions-Vielfalt hin.

Die aus den ursprünglichen 30 Veränderungen ausgewählten Neuschöpfungen lassen ebenso Melodiefetzen anklingen, wie sie auch in völlig abgewandelten Formen trotzdem vertraut mit dem Geist der Bachschen Musik wirken. „Sternenstaub“ von Vlad Baciu zählt zu solchen Stücken. Wolfgang Andreas Schultz aus Hamburg hat die Melodie „indisch übermalt“. Roberto Reale aus Oldenburg findet mit Vibrafon und Klavier „Bachspuren“. Dinescu selbst sucht einen „Weg zwischen 2. und 3. Goldberg Echos“ mit einem elektronischen Zuspiel, das nach Vogelschwärmen klingt. Steffen Alexander Schmidt baut eine „Goldbergresonanzversuchsanordnung“ auf. Nicolae Brandus schließt seine Variation mit einem entsetzten „Brexit“-Schrei ab – dem die Musiker einen lockeren Ausruf nachschieben, mit dem man sonst einen wilden Tanz beendet.

Man habe, so bewertet Heinemann die ineinander greifenden Nach- und Neuschöpfungen, „nicht den frommen Komponisten Bach zeigen“ wollen. „Bis an die Pforten des Paradieses fühlen wir uns schon gebracht – aber wir sind nicht in ihm drin…“

Dafür bleibt Bach uns über alle Zeiten hinaus zu schön nahe.

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