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NWZonline.de Nachrichten Kultur

OPER: Der Bauer als Vaterlandsretter

19.01.2008

OLDENBURG Wenn Konzertmeister Lev Gelbard mitten im Einstimmen zu Antonio Vivaldis Oper „Il Giustino“ mal kurz die ersten Frühlings-Takte aus den berühmteren „Vier Jahreszeiten“ einwirft, wirkt das in Oldenburgs Exerzierhalle wie ein Fingerzeig: Warum scheint Freund Antonio als Opernkomponist immer noch unterrepräsentiert?

Eben: Weil die paar Konzertschlager die Bühnenwerke niedergewalzt haben. Darüber kann man lange den Kopf schütteln, auf jeden Fall nach der Staatstheater-Premiere dieses Musikdramas.

In gut zwei Stunden reiner Musikzeit wird fast jede Arie zum Ohrwurm. Das ist nur die Hälfte der Dauer der Originalkomposition. Aber die Kunst des Weglassens zählt bei der für die Karnevalsspielzeit 1724 in Rom verfassten Oper wohl zur Notwendigkeit. Zumindest überzeugt sie, wenn sie wie bei der Inszenierung durch Katrin Knopp zur Verdichtung der Affekte führt.

Die starke Beschneidung der Rezitative ist indes nicht unproblematisch, weil den Resten einiges an Profil geraubt ist. Natürlich bestätigt auch der Oldenburger „Giustino“, dass die Sujets der Barockoper an Absurdität nicht zu überbieten sind – und das ist prächtig so. Der Aufstieg des mit seinem Job nicht ausgefüllten Bauern Giustino zum Helden und Vaterlandsretter (zum Kaiser wird er hier nicht gekrönt) hat etwas von einer barocken Tellerwäscher-Geschichte. Aber das politische Geschehen steckt nur das Terrain ab für Liebeleien, Intrigen und jauchzende wie betrübte Gefühle. Dass dabei viel zu Bruch geht, zeigt ein abgestürzter Kronleuchter.

Das Geschehen entwickelt sich aus dem Alltag. Die fünf Sängerinnen und der eine Sänger schleppen vor der Ouvertüre noch Requisiten heran, stellen Handtaschen ab, parlieren und steigen in die Kostüme und ins Spiel. Das hält sich glücklich in der Waage. Da schleichen sich fast romantische Momente ein, folgt die Distanzierung, etwa wenn das Ensemble Popcorn verzehrt. Trotzdem wird nichts gewaltsam aktualisiert.

Das Sängerensemble zeigt sich emotional intelligent abgestimmt. Die Stimmen sind sauber geführt, ohne übermäßiges Vibrato, ungemein agil in den reich verzierten Passagen, manchmal mit wirklichem Seelenton: Mareke Freudenberg (Arianna), Nathalie Senf (Giustino), Ulrike Ludwig (Anastasio), Sarah Papadopoulou (Leocasta), Thomas Burger (Vitaliano), Marcia Parks (Amanzio).

Das Staatsorchester wird zum Ausstattungselement auf der Bühne. Es hat sich in den vergangenen Jahren behutsam an barocke Spielpraxis herangearbeitet. Olaf Storbeck setzt Ehrgeiz daran, dem Werk den Charakter eines „Dramma per Musica“ zu geben. Instrumentaleffekte, Details und Ausdrucksgegensätze entwickeln sich mitreißend. Es gibt sogar ein offizielles Fitzelchen Frühling: Als Sinfonia zum zweiten Akt.

Karten: 0441/22 25 111

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www.NWZonline.de/theater

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