Neuenkruge/Borbeck - Eigentlich war es ja nur eine Schnapsidee, die keiner ernst meinte und die auch nur umgesetzt wurde, weil die anderen den Scherz nicht als solchen verstanden haben. Aber dafür hält sich die Sache auch schon verdammt lange. 40 Jahre, um es genau zu sagen. So lange gibt es den Shantychor Neuenkruge-Borbeck. Ein runder Geburtstag, der am Sonnabend und Sonntag, 11. und 12. Juli, gefeiert werden soll.

Der Shantychor entstand eher ungewollt. Die Chorsänger sind alle auch in der Freiwilligen Feuerwehr Neuenkruge-Borbeck. Und als Kameraden unterhielt man gute Beziehungen zu anderen Wehren in ganz Deutschland und darüber hinaus. Zum Beispiel ins österreichische Hopfgarten.

Die Hopfgartener Wehr wiederum war gut mit Kameraden im bayerischen Heroldsberg vernetzt. „Und bei denen stand bald das 100-jährige Jubiläum an“, erinnert sich Horst-August Meyer, 2. Vorsitzender des Shantychors.

Prompt wurden auch die Ammerländer eingeladen. Ein paar Seemannslieder könnten sie doch singen. „Wir waren ja die Gäste aus dem hohen Norden. Aber wir haben die nicht für voll genommen“, erzählt Meyer. Zumal der Vorschlag beim abendlichen Bier gemacht wurde.

Die Abmachung geriet in Vergessenheit – das Jubiläum aber rückte immer näher. „Dann haben wir ein Plakat zur Feier gesehen. Da stand drauf: ,Im Hauptprogramm: Nordseechor Helgoland-Neuenkruge‘“, erklärt Meyer. Bei den Besuchen waren auch ein paar Helgoländer dabei.

Plötzlich stand der Chor, der eigentlich keiner war, vor seinem ersten Auftritt. Sechs Neuenkruger und vier Helgoländer machten sich auf den Weg. „Wir haben noch im Bus geprobt. Ganze vier Lieder haben wir hinbekommen“, erinnert sich Meyer und lacht.

Aber irgendwie sollten sie das Ding schon schaukeln. Beim Betreten des Zelts dann die nächste Überraschung: Knapp 4000 Gäste waren gekommen. „Wir haben unsere vier Lieder gesungen und als wir fertig waren, haben wir einfach von vorne angefangen. Das lief“, meint Meyer.

Ein lockerer Auftritt also – auch wenn niemand vorbereitet war. Dass der Chor danach weitermachte, ist laut Meyer vorrangig Wilhelm Lueken zu verdanken. „Der hat das Ganze ins Rollen gebracht.“

Seit dem ersten Auftritt am 12. Juli 1975 ist der Shantychor rund 500 Mal aufgetreten. Hauptsächlich bei Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Feiern. Aber auch auf einen Auftritt beim Fernsehgarten in Mainz können die 22 Mitglieder zurückschauen.

Und die beherrschen jetzt auch mehr als vier Lieder.