Oldenburg - Er hatte nur wenige Minuten, aber er war gut vorbereitet. Klaus Hüttmann hatte ein fast fertiges Drehbuch in der Tasche, und Geld für eine Anschubfinanzierung hatte er auch schon gesammelt. So ging er in das erste Gespräch, Patrick Fischer wartete bereits auf ihn.
Das war im Sommer 2010, Filmfest und Stadt hatten zum „Speed Pitch“ in den VHS-Kulturspeicher an der Wallstraße eingeladen. „Wir wollten Menschen, die tolle Ideen haben, mit Menschen zusammenbringen, die solche Ideen verwirklichen können“, erinnert sich Roland Hentschel (52) von der Wirtschaftsförderung. Ein Speed Pitch funktioniert so: Ein Ideenhaber setzt sich zu einem Ideenverwirklicher an den Tisch, man redet 10 oder 15 Minuten, dann geht der Ideenhaber zum nächsten Ideenverwirklicher. Hentschel hatte drei Stunden Zeit für die 20 Pitch-Teilnehmer eingeplant; am Ende wurden es fünf Stunden.
Filmemacher Klaus Hüttmann erzählte Produzent Patrick Fischer also von „The List“. Es ist die Geschichte von Christopher, der eine Liste der 100 korruptesten Personen ins Internet stellt. Die Presse berichtet begeistert, Christopher gewinnt Preise. Bis plötzlich jemand anfängt, die Menschen auf der Liste zu töten.
Patrick Fischer war ebenfalls gut vorbereitet. Er wusste, dass Hüttmann mit dem Kurzfilm „Der Schwimmer“ in Cannes für die Goldene Palme nominiert war, „der Mann kann Regie führen“. Und ihm gefiel Hüttmanns Konzept, „das war super“. Fischer hatte in London vor kurzem Creativity Media gegründet, eine Produktionsfirma. Er veranschlagte die Kosten für „The List“ auf ungefähr eine Million Euro.
Hüttmann ist jetzt 54, er lebt in Berlin. „Es ist schwer, in Deutschland solch einen Stoff zu finanzieren“, sagt er. Er hatte „The List“ deshalb auf Amerika zugeschrieben. Für Fischer, 31, schrieb er ihn auf England um. Er passte die Sprache an. Fischer organisierte derweil Geld. „Das ist vielleicht typisch angelsächsisch“, glaubt Hüttmann: „Es war längst nicht alles da – aber man fängt schon mal an.“
Jetzt ist „The List“ fertig. Ohne Oldenburg hätte es den Film nie gegeben. An diesem Sonnabend feiert er Weltpremiere, natürlich in Oldenburg. „Wir haben unser Ziel erreicht“, sagt Wirtschaftsförderer Hentschel stolz. 2014 soll es nun ein zweites Speed Pitch in Oldenburg geben.
