• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der große Grieche Spaniens

09.04.2014

Madrid /Toledo Es ist paradox: El Greco war ein Maler der Gegenreformation, aber er gilt als ein Vorläufer der modernen Kunst. Der von der griechischen Insel Kreta stammende Künstler war in Spanien in Zeiten der Inquisition bei Kirchenfürsten ein gefragter Mann, dennoch beeinflusste er später Avantgardisten wie Pablo Picasso. Der Renaissance-Maler, der vor 400 Jahren gestorben ist, bleibt ein Rätsel der Kunstgeschichte.

Ausstellungen auf einen Blick

Die wichtigsten Ausstellungen im El-Greco-Jahr:

Bis zum 14. Juni ist die Schau „Der Grieche von Toledo“ im Museum Santa Cruz in Toledo zu sehen. Dort ist vom 8. September bis 9. Dezember eine zweite Ausstellung zu sehen: „El Greco: Kunst und Handwerk“.

Zwei Ausstellungen sind im Prado-Museum in Madrid zu sehen: „Die Bibliothek von El Greco“ (bis 29. Juni) und „El Greco und die moderne Malerei“ (24. Juni bis 5. Oktober).

Dies liegt vor allem daran, dass der Künstler nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit geriet und man von ihm bis zu seiner Wiederentdeckung Anfang des 20. Jahrhunderts kaum etwas wusste. Das hat sich mittlerweile ein wenig geändert, dennoch bleibt El Greco mysteriös. „Bis vor einem Jahrhundert waren zu El Greco nur 37 Schriftstücke als historische Quellen bekannt, jetzt sind es immerhin über 500“, sagt der spanische Kunsthistoriker Fernando Marías.

Spanische Schule

Die Dokumente legen nach Ansicht des Autors einer El-Greco-Studie den Schluss nahe, dass der Maler selbst mit dem Glauben möglicherweise wenig im Sinn hatte. „In den Aufzeichnungen von El Greco steht nichts über die Religion“, stellte Marías fest.

Der Künstler wurde 1541 im heutigen Iraklion auf Kreta geboren und hieß mit bürgerlichem Namen Dominikos Theotokópoulos. Er ließ sich auf der Insel, die damals zur Republik Venedig gehörte, zum Ikonenmaler ausbilden. Mit 27 Jahren verließ er Kreta und siedelte nach Venedig über, kehrte der Lagunenstadt aber wenige Jahre später den Rücken.

In Rom, seiner nächsten Station, wurde er aufgrund seiner herausragenden Referenzen im Palast des Mäzens Alessandro Farnese aufgenommen. Er blieb dort jedoch ein Außenseiter, weil die römischen Künstler von der Tradition Michelangelos geprägt waren, während El Greco sich eher an Tizian orientierte.

Der Künstler gelangte 1576 dank der Vermittlung spanischer Bekannter nach Spanien. In Madrid wollte er Hofmaler von König Philipp II. werden, der damals den riesigen Klosterpalast von El Escorial erbauen ließ. Doch der Monarch fand an den Werken des Künstlers keinen Gefallen.

Der Maler suchte daraufhin in Toledo Zuflucht. Die Stadt südlich von Madrid, das religiöse Zentrum Spaniens, war mit ihren damals 20 Pfarrkirchen und 40 Klöstern für ihn wie geschaffen. Mit seinem reichen Werk von Heiligenbildern und Porträts fand er bei den Geistlichen und im Adel rasch Abnehmer. Für die Kathedrale der Stadt malte er „Die Entkleidung Christi“, eines seiner bedeutendsten Werke, für die Pfarrkirche Santo-Tomé „Das Begräbnis des Grafen von Orgaz“.

El Greco gilt neben Diego Velázquez (1599–1660) und Francisco de Goya (1746– 1828) als einer der drei großen Meister der spanischen Schule. Er selbst fühlte sich jedoch in Spanien als ein Fremder. Obwohl er bis zu seinem Tod mehr als 30 Jahre in Toledo lebte, lernte er nie richtig Spanisch. „Wir haben aus ihm einen Spanier gemacht, aber er zeichnete seine Werke auf Griechisch“, stellte Marías fest.

Unangenehm

Der El-Greco-Experte beschreibt den Maler als einen genialen Künstler, aber auch als einen unangenehmen Zeitgenossen. „Er war von sich selbst eingenommen, streitsüchtig, dreist und launisch“, meint Marías. Der Kunsthistoriker glaubt auch eine einfache Erklärung gefunden zu haben, weshalb El Greco die Figuren in seinen Bildern mit langgezogenen Gesichtern malte: „Das fand man einfach hübsch.“

El Grecos Grabstätte ist nicht bekannt. Nach seinem Tod wurde der Maler zunächst in Toledo im Kloster Santo Domingo el Antiguo beigesetzt. Wenig später sollen die Nonnen sich mit dem Sohn des Künstlers über den Preis der Grabstätte zerstritten haben. Die Leiche wurde in das San-Torcuato-Kloster umgebettet. Beim Abriss der Klosterkirche gingen die sterblichen Überreste verloren.

Spanien gedenkt bis zum Dezember mit Ausstellungen, Konzerten und Kongressen des Todes vor 400 Jahren. Das Herzstück der Hommage ist die Ausstellung „Der Grieche von Toledo“. Sie vereint im Santa-Cruz-Museum und an anderen Orten der Stadt mehr als 100 Werke des Künstlers. Toledo erwartet rund eine Million Touristen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.