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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Der Haifisch fühlt sich wohl

13.09.2010

OLDENBURG Der eigentliche Star dieses Abends liegt mitten auf einem ehemaligen Militärgelände. Es ist ein altes, großes, sprödes Flughafengebäude. Ein langer, aufgemalter roter Teppich führt in Halle 10. Dorthin, wo ein riesiges Foyer wartet, wo der Charme des Industriellen mit rohen Wänden und Stahlträgern punktet, wo eine breite und tiefe Bühne steht, wo über 600 Besucher gut sehen und sitzen können.

Die Chance und den Charme dieser Ersatzspielstätte – das Große Haus wird umgebaut – hat sich das Oldenburgische Staatstheater nicht entgehen lassen. Wahrscheinlich hätte man hier das Telefonbuch inszenieren können, so wild sind alle auf die neue Bühne, doch man entschied sich vernünftigerweise für Bertolt Brechts und Kurt Weills „Dreigroschenoper“.

Kulinarische Sichtweise

Regisseur K. D. Schmidt hat das Stück schmissig in mehr als drei Stunden als Musical verpackt. Diese kulinarische Sichtweise ist weder neu noch übel, sondern klar und gut. Schon zu Brechts Zeiten achtete keiner so richtig auf die Gesellschaftskritik. Längst ist der Haifisch zahnlos geworden. Gewiss, die „Dreigroschenoper“ zeigt Bettler, Huren, Verbrecher, Verlierer und bestechliche Beamte, aber sie erzählt eben auch die verrückte und unterhaltsame Geschichte des in Oldenburg rote Glacéhandschuhe tragenden Macheath, der sich mit mehreren Frauen, einem schwarzledernen Polizeipräsidenten und einem bösen Schwiegervater anlegt.

Schon nach den ersten Songs gibt’s Zwischenapplaus, den sich Thomas Birklein als verbürgerlichter Peachum, Caroline Nagel als seine angesüppelte Gattin und das kesse Töchterchen Polly (Kristina Gorjanowa) redlich verdienen. Der Macheath von Gilbert Mieroph ist leidlich schmierig angelegt, Klaas Schramm glänzt in der Doppelrolle eines Conferenciers und Polizeichefs. Eva-Maria Pichler schmettert ihre Lieder als feuerrote Kopie der jungen Milva, Anna Steffens ist eine rüstige Spelunkenjenny.

Platz für Spaß

Die mächtige Bühne verstärkt die Wirkung der Handlung durch eine Videoleinwand, die Gesichter beim Singen nah heranholt. Die Band mit dem satten Sound sitzt, hervorragend geleitet von Christoph Iacono, ganz rechts – wie gesagt, Platz ist hier genug. Auch für Spaß – zu komisch die Verbrecherbande des Macheath, zu kurios, wie der Polizist mit Minirad und Blaulicht reinradelt, zu verrückt, das Macheath nicht gehängt, sondern auf einem putzigen Elektrischen Stuhl ins Jenseits befördert werden soll. Am Ende wird’s ein wenig ernster, aber schon die Begnadigung geschieht wieder durch einen Radler. Kurzum: eine schön glatte Aufführung zum Rundumwohlfühlen.

Vielleicht werden alle die Halle in einem Jahr lieben. Doch dann muss man zurück ins Große Haus. Aber wer weiß: Ob Kampnagel in Hamburg, das Bockenheimer Depot in Frankfurt, die Halle Beuel in Bonn – provisorische Stätten haben sich schon oft als Lieblinge des Publikums erwiesen.

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– Halle 10 – auf dem stillgelegten Fliegerhorst am Stadtrand von Oldenburg dient in dieser Theatersaison als Ersatzspielstätte für das Oldenburgische Staatstheater. Die Bühne ist etwa doppelt so groß wie im Großen Haus, das währenddessen saniert wird.

Telefon 0441/22 25 111

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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