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Bremer Kunsthandwerker Der Herr der hölzernen Hafenarbeiter

Tobias Schwerdtfeger Vera Jansen

Bremen - In der kleinen Werkstatt von Hermann Brandt steht alles, was bei einem traditionellen Weihnachtsfest nicht fehlen darf. Aus Holz geschnitzte Pyramiden, Holz-Hirten, die dem neugeborenen Jesu-Knäblein die Ehre erweisen. Doch der 76-jährige Bremer ist damit noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt.

Den neben den beleuchteten Holz-Pyramiden ragen kleine Leuchttürme in die Höhe. Die Bremer Stadtmusikanten schauen als Mini-Seenotretter von einem offenen Rettungsboot in die Stube. Und aus dem traditionsreichen Kiepenkerl-Räuchermännchen hat Brandt einen Hafenarbeiter werden lassen.

Kunden aus der Region

Für den Bremer Hermann Brandt ist die Bastelei heute nur noch Hobby. „Geschäft ist das nicht mehr“, sagt der 76-Jährige. Früher, als er mit seiner Frau Erika (72) noch das Geschäft betrieb, kamen seine Kunden aus dem gesamten Oldenburger Land. „Wir hatten zum Beispiel einige Kunden aus Bad Zwischenahn“, sagt Erika Brandt. Auf dem Hobby-Kunstmarkt in Oldenburg haben die beiden Bremer ihre Holzarbeiten angeboten. „Oder in Hatterwüsting auf dem Weihnachtsmarkt“, erinnert sich Erika Brand.

Fast täglich verbringt Ehemann Hermann Brandt drei bis vier Stunden in seiner Bastelbude im Haus mit Blick auf die Weser. In der Weihnachtszeit und auch nach den Festtagen ist viel zu tun. „Es sind vor allem Reparaturen“, sagt er. Basteln mit Holz hat Brandt schon als Kind begeistert. „Da habe ich mir Reste vom Tischler geholt.“ Sein erstes Schiffsmodell baute er als Matrose an Bord.

Sieben Jahre fuhr Brandt zur See, danach arbeitete er an Land im Hafen und sammelte Maritimes, vor allem die Kreuzer und Rettungsboote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hatten es ihm angetan.

Seit langem sind es die Holzarbeiten aus dem Erzgebirge, die Brandt und auch seine Frau Erika auf Kunsthandwerkermärkte führten. In Berührung mit der Holzkunst aus dem Osten Deutschlands kamen sie nach der Wende eher zufällig. Als Gastgeschenk brachten Besucher aus Aue im Erzgebirge einen sogenannten Schwibbogen mit. Bei einer Reise ins Erzgebirge suchten sie Kontakt zu den Holzkünstlern. „Die Handwerker dort suchten auch eine neue Orientierung“, erinnert sich Brandt.

Daraus entstand schließlich eine Zusammenarbeit. Brandt brachte seine maritimen Ideen ins Erzgebirge. So entstanden Räuchermännchen als Hafenarbeiter, Seenotretter mit Südwester-Hüten, die Brandt aus kleinen Einzelteilen zusammensetzte. Außerdem fertigt er Motivleuchten mit den Silhouetten von Rettungskreuzern und -booten. Die DGzRS genehmigte ihm auch die Verwendung des Logos der Gesellschaft. Zuerst ging es an Wochenenden auf Kunsthandwerkermärkte. Als das Ehepaar Brandt in Frührente ging, kamen auch Ausstellungen auf Weihnachtsmärkten hinzu und ein kleiner Laden im Wohnhaus entstand.

Arbeit auf Bestellung

„Wir haben beide an einem Strang gezogen, es war ein Selbstläufer“, erinnert sich die 72-Jährige. „Der Ruhestand wurde zum Unruhestand.“ Bald folgte die erste kleine Verkaufsbude in der Bremer Innenstadt und im Mai 2010 wurde ein Laden im Bremer Schnoorviertel gemietet. „Dass sich das so entwickelt, hätten wir nie gedacht.“

Den Laden hat vor ein paar Jahren ein Nachfolger übernommen. Die kleinen Seenotretter und hölzernen Ruderrettungsboote baut Brandt auch heute noch auf Wunsch zusammen.

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