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Musik Der Mann mit der Klarinette

Stefanie Järkel

Berlin/Tel Aviv - Morgens, wenn es noch nicht so heiß ist, geht Giora Feidman manchmal in den Garten und spielt für die Bäume und Blumen. Zarte Klarinettenklänge schweben dann über den Rasen. „Die Energie in der Kommunikation mit Pflanzen existiert“, sagt der Musiker zwischen meterhohen Palmen hinter seinem Haus in Rinatja, einem Dorf in der Nähe Tel Avivs. Den Pflanzen gehe es durch die Melodien besser. „Über Musik denkst Du nicht nach, Du fühlst sie.“

Deutsche Seele

Giora Feidman spielt nicht nur regelmäßig in seinem Garten. Er verzaubert auch seit Jahrzehnten vor allem Deutsche mit seiner Klezmermusik. An diesem Freitag wird der Klarinettist 80 Jahre alt. Im April geht er wieder auf Tour in Deutschland.

Sein Markenzeichen ist es, die ersten Töne eines Konzertes vom Eingang des Saales zu spielen und zwischen dem Publikum nach vorne zu gehen. Die Zuhörer werden überrascht, müssen sich erst einmal umdrehen, ihre Vorstellung eines Konzertes überdenken. „Tradition ist ein Krebsgeschwür“, sagt der kleine Mann mit der Glatze und dem kurzen weißen Schnauzer auf Englisch. „Ich muss die Tradition aufbrechen.“

Feidman spielt vor allem die Musik seiner Vorfahren, die aus Bessarabien stammen, was dem heutigen Moldawien und der südlichen Ukraine entspricht. Es ist die Musik osteuropäischer Juden, wie sie seit Generationen auf Hochzeiten und Geburtstagen erklingt – ausgelassen und wehklagend, beschwingt und nachdenklich. Aber auch Tangos aus seiner argentinischen Heimat oder klassische Stücke gehören zu Feidmans Programm.

„In der Kunst sprechen wir die Sprache der Seele“, sagt Feidman. Das Wort „Seele“ sagt er auf Deutsch. Auf die Frage nach seinem Selbstverständnis als Musiker, holt er lieber seine Klarinette aus dem Arbeitszimmer und spielt eine kleine Melodie in der Küche bei Tee und Keksen. „Haben wir die Unterhaltung jetzt beendet?“, fragt er und lacht.

Feidman wurde 1936 in Buenos Aires geboren. Schon als Kleinkind faszinierte ihn das Klarinettenspiel seines Vaters. Ab und zu schnappte er sich dessen Instrument und probierte ein paar Töne. Irgendwann spielten sie gemeinsam stundenlang Duette und musizierten auf Festen.

Musik für „Ghetto“

Mit 18 Jahren wurde Feidman Klarinettist am Teatro Colon, der berühmten Oper in Buenos Aires. Mit 21 bekam er eine Anstellung beim Israelischen Philharmonieorchester in Tel Aviv. Während dieser Zeit präsentierte er einmal in der Woche mit einem Quintett israelische Stücke im Radio. Irgendwann sagte er: Wir können auch was anderes – und spielte Klezmer. Wenig später verließ er das Orchester.

In Deutschland wurde Feidman 1984 mit Peter Zadeks Inszenierung von Joshua Sobols Holocaust-Stück „Ghetto“ bekannt. Er spielte die Klarinettenmelodien in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) ein – für die Musik gab es einen Oscar. Auch in den deutschen Filmen „Jenseits der Stille“ von Caroline Link und „Comedian Harmonists“ (1997) von Joseph Vilsmaier war er zu hören.

Allein im April wird Feidman 17 Konzerte in Deutschland geben. „Ich liebe Deutschland“, sagt der jüdische Israeli. „Warum? Weil ich Teil der Gesellschaft bin, die Menschlichkeit ausübt.“ Der Heilungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg sei abgeschlossen.

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