• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Einbruch und Brandstiftung – 17-Jähriger festgenommen
+++ Eilmeldung +++

Delmenhorster In U-Haft
Einbruch und Brandstiftung – 17-Jähriger festgenommen

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der Mörder als Künstler

09.09.2015

Oldenburg Der dunkle Film lockt mit einem geheimnisvollen Mörder. Kein Geheimnis bleibt dabei der Mord: Am 12. Dezember 1974 tötete der Österreicher Jack Unterweger eine junge Frau. Der Film lässt sie hilflos um Hilfe schreien bis Unterweger sie mit dem Draht ihres Büstenhalters stranguliert. Die Leiche ließ Unterweger im Wald zurück.

1974 wurde Unterweger gefasst, er musste lebenslang ins Gefängnis. Was eben das heute heißt: Er kam nach 15 Jahren frei, veröffentlichte Bücher, gab sich resozialisiert. Ein Mann für die Talkshows. Eine Sensation.

Verseschmied im Knast

Indes, die eigentliche Sensation von Elisabeth Scharangs Spielfilm „Jack“ heißt Johannes Krisch. Der 49-Jährige spielt eindringlich den Mörder. Krisch schneidet meist ein gemeißeltes Zuhältergesicht. In seinen besten Momenten gleicht Krisch dem schweigsamen Alain Delon im „Eiskalten Engel“. Der Burgschauspieler zeigt uns einen Typ, der berühmt und reich werden will – als Ex-Mörder und Knastpoet.

Und die Wiener Gesellschaft? Besonders die Damen betrachten Jack wie ein gefährliches Insekt, dessen Stachel man fürchtet, dessen Färbung man aber mit hübsch übereinander geschlagenen Beinen bewundert. Die feinen Leute, klagt Jack einmal, wollen nichts „vom Arschficken in der Gemeinschaftsdusche im Gefängnis“ hören. Womit er Recht haben könnte. Und während Jack seine hochstilisierten Verse deklamiert, während er hofiert wird, werden in Wien und anderswo Prostituierte ermordet. Bald gerät Jack in Verdacht.

Wer mit der üblichen „Tatort“-Perspektive an diesen Krimi herangeht, der am 16. September das Oldenburger Filmfest eröffnen wird, kann nur enttäuscht werden. Es gibt keine klassische Auflösung des Falls.

Es gibt auch keine eindeutige Schuldzuweisung an Jack, was die Mordserie betrifft. Regisseurin und Drehbuchautorin Elisabeth Scharang lässt offen, ob der undurchdringliche Jack nochmals tötete – was wahrscheinlich ist, wie es die Verurteilung 1994 in der Realität zeigt. Aber das Urteil wurde nie rechtskräftig. Der wirkliche Jack Unterweger brachte sich einen Tag nach dem Urteil um. So was garantiert Mythen und Rätsel.

Blank poliert

Der mit eindringlicher Musik unterlegte Film versucht, Jacks Charakter mit ruhiger, manchmal arg stilisierter Kamera einzufangen und beim Zuschauer viele Zweifel zu säen. Wir sehen einen Kerl mit Goldkettchen, Tätowierung und Sprachgefühl. Den ewigen Raucher als Grübler. Den Busengrapscher. Den Tipper auf der mechanischen Schreibmaschine. Den Emotionalen, der sich einen armen Hund aus dem Tierheim holt, der so einsam guckt wie sein Herrchen. Bei Alain Delon hatte es im „Eiskalten Engel“ nur zum Piepmatz gereicht.

Jack ist nie locker. Krisch präsentiert ihn in einem durchtrainierten Körper voller Spannung und Aggression. Die schwindet selbst nicht bei heftiger Liebe mit einer üppigen Prostituierten. Auch die Zuneigung zu einer Architektengattin, die sich Jack ein wenig wie ein Hündchen halten will – gespielt von Corinna Harfouch – wirkt wie das edle Mobiliar der edlen Dame: blank poliert, aber leer.

„Jack“ liefert keine billigen Antworten. Spielt Jack sich selbst was vor? Der Streifen lässt uns ratlos zurück. Warum können wir eigentlich die Namen von Mördern buchstabieren, kennen aber kaum die Gesichter der Opfer? Ein Film, der so zum Nachdenken anregt, kann kein schlechter Film sein.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.