Bollenhagen - „Tok, tok, tok, toook“, ertönt es plötzlich bei der Mai-Wanderung im Bollenhagenwald. Die fast 30 Teilnehmer der Tour gucken ziemlich erstaunt, was für ein Vogel sich denn hierher verirrt hat. Ein Vogel zeigt sich allerdings wenig später nicht, wohl aber eine Bäuerin in der Kleidung des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach ihrer Henne „Berta“.

Auf Platt erzählt die Bäuerin von der Lebenssituation vor über hundert Jahren, von den Mühen des ländlichen Lebens, vom Buchweizenanbau und von ihrem Haus, von dem heute nur noch wenige Steine und der Brunnen erhalten geblieben sind Es wird in der Fantasie des Publikums jedoch gleich wieder zum Leben erweckt.

Darstellerin dieser überraschenden Draußen-Theater-Szene ist Elke Moorbeck-Böse von der Niederdeutschen Bühne Brake, die ihre Rolle mit großer Professionalität ausfüllt.

Die Idee zu dieser Zeitreise hatte Jutta Krämer von der Flächenagentur des Landkreises, die auch die Texte geschrieben und sich die Szenerie ausgedacht hat. Von Gerhard Albers aus Südbollenhagen hatte sie im Vorfeld noch viele wertvolle Hinweise über die Lage des Hauses und die Landwirtschaft in früherer Zeit erhalten. Auf der weiteren Wanderung durch den Wald gibt es als Kontrastprogramm Informationen über Pflanzen und Tiere des Waldes und zur Landschaftsentwicklung, bis sich die Gruppe dann in Höhe des Bohlenweges auf die nächsten Zeitreise begibt, die diesmal ins 15. Jahrhundert führt.

Etwas finster dreinblickend berichtet „Gerd der Mutige“ aus seinem abenteuerlichen Leben, von seinen Brüdern, die ihn übervorteilten und den Überfällen auf die reichen Hanseschiffe und seiner Burg Vry-Jade, in die er seine Beute brachte.

Auch diese gänzlich andere Rolle verkörpert Elke Moorbeck-Böse sehr lebensecht, was vom Publikum mit langem Beifall und großem Lob honoriert wird.

Die Zeitreise wird dann am Torfsodenturm noch einmal aufgegriffen, als Rüdiger von Lemm erklärt, dass der Verlust an Bodensubstanz von zwei Metern in 115 Jahren allein durch Entwässerung und Luftzufuhr zustande kam. Das sorgt für großes Erstaunen: „Wir dachten, so viel sei schon abgetorft worden und wir fanden das schon ganz schön viel“, wundert sich ein Besucher.

Mit Kaffee, Tee und Kuchen, den „Bollwerkerinnen“ mitgebracht hatten, geht die Sonntagswanderung gemütlich beim Bollwerk zu Ende.