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FRAGE:
Herr Boyer, am Sonntag, 28. August, veranstaltet das Niedersächsische Forstamt Ahlhorn zum dritten Mal eine Waldmesse im Dwergter Sand. Doch wie passen Wald und Gottesdienst eigentlich zusammen?
BOYER
: Allein schon, weil die Natur greifbar nah ist. Gottesdienst ist Ursprünglichkeit, das heißt, was man in der Religion finden möchte, ist der ursprüngliche Glaube. Der Wald bietet sich dafür an: Hier ist eine Ruhe, die Leute können einfach abschalten. Ich denke, man sollte den Wald mehr für Messen nutzen. Wald und Gottesdienst, das passt zusammen, gerade im internationalen Jahr der Wälder.
FRAGE:
Das heißt, es geht auch in diesem Jahr bei der Messe im Dwergter Wald um Ruhe und Ursprünglichkeit?
BOYER
: Es geht mehr um die Gottesschöpfung und die Schöpfung der Natur. Klaus Kokenge, Religionslehrer in Cloppenburg, übernimmt meist die Themenfindung und beweist dabei eine gute Ader. Die Predigt überlassen wir dann allerdings den Geistlichen, in diesem Jahr Pater Otto Nosbisch.
FRAGE:
Wie entstand die Idee zu dieser ungewöhnlichen Messe?
BOYER
: Als ich die Försterei übernommen habe, habe ich diesen Platz im Dwergter Wald wiederentdeckt, Man kann den Platz doch nicht einfach verkommen lassen, dachte ich mir damals. Denn der Messeplatz wurde bereits in den 60er Jahren aufgebaut und lange Jahre aktiv genutzt. Durch den starken Sturm 1972 wurde der Wald jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen, hinzu kam die große Waldbrandgefahr. Man hatte Angst so viele Leute im Wald zu haben. Der Platz ist dann verweist. Vor drei Jahren haben wir diesen Platz wieder aktiviert, mit dem alten Kreuz, dass dort noch stand.
FRAGE:
Was war für sie der Grund für den Neuanfang der Messe?
BOYER
: Die Waldmesse ist eine Messe auf einem wunderschönen Platz mitten in einem großen Forstgebiet, ein Platz mit meditativen Charakter. Die Menschen können in sich kehren, sie werden rausgeführt aus ihrem Alltagstrott. Im Wald ist man einfach nur für sich.
FRAGE:
Die Messe bewirkt also etwas bei den Besuchern?
BOYER
: Der Platz soll ja nicht nur für die Waldmesse genutzt werden. Die Waldmesse dient auch dazu, bei möglichst vielen Menschen den Platz publik zu machen. Man soll dort hinfahren, um sich selbst zu finden. Seit der ersten Messe fahren immer wieder Leute vorbei, die den Platz nutzen, um einfach mal zu beten. Auch die Messe selbst, die auch ein Gegenpart zur Kirche ist, wurde sehr gut angenommen. Im letzten Jahr waren es über 700 Besucher. Das ist für eine Messe schon gewaltig viel.
Hermann Boyer
ist Revierförster in Cloppenburg und Mitinitiator der Waldmesse. Mit der Veranstaltung wurde eine lange Tradition vor zwei Jahren fortgesetzt. Rund 30 Jahre gab es die Messe im Dwergter Wald zuvor.