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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oldenburger Generalmusikdirektor: Mit Strohhalm vor dem Spiegel dirigiert

06.07.2016

Bonn /Oldenburg Im Prinzip kann es Hendrik Vestmann entspannt angehen lassen. Der Umzug von Bonn nach Oldenburg ist in diesen Tagen geschafft. Mit dem Staatsorchester hat der neue Generalmusikdirektor (GMD) schon vor den Sommerferien die ersten Arbeitseinheiten absolviert.

Aber der 42 Jahre alte Este ist nicht nur ein einnehmend motivierender Chef, er schätzt auch Umgangsformen. Also könnte er zu seinem offiziellen Dienstantritt ganz seriös sagen: „Ootan tööpäeva teiega, meil on kindlasti palju roomu kos töötades!“ Natürlich wird er nicht in seiner Muttersprache den Musikern bekunden, dass er auf die Zusammenarbeit gespannt ist und sich auf das gemeinsame Wirken freut. Vestmann spricht perfekt deutsch. Das hängt mit seiner musikalischen Ausbildung zusammen.

In Tartu, der zweitgrößten Stadt in Estland, ist er über seine Familie in die Musik hineingewachsen. Seine Mutter sang an der dortigen Oper. Im Jahr 2000 hat er in Karlsruhe ein Aufbaustudium begonnen. Als Repetitor sammelte er ab 2002 praktische Erfahrungen in Heidelberg.

Zur Person

Hendrik Vestmann wurde 1974 im estnischen Tartu geboren. Seit der Saison 2013/2014 war er Chefdirigent der Oper Bonn. 2006 gewann er den Abend­roth-Preis und erhielt den Sonderpreis des Deutschen Dirigentenpreises.

Info: www.staatstheater.de

Seitdem schätzt er das deutsche Kapellmeister-System hoch. „Da wird wirklich das Repertoire von der ersten Probe an erarbeitet”, sagt er. Erfahrung sei in der Musik ein wichtiges Pfund. Doch Offenheit für Neues siedelt er ebenso hoch an. „Man kann die Stücke intelligent neu erfinden”, lautet Vestmanns Credo. Was detailliert heißt: Klugheit, auch mit überraschenden Wendungen, ist ihm in der Interpretation wichtiger als verstörende Neuheit um jeden Preis.

Ständig unterwegs

In der Studentenstadt Tartu wirkte er von 2004 an erstmals als GMD. Über die Position des 1. Kapellmeisters und Vertreters des GMD in Münster ab 2006 stieg er 2013 in Bonn zum Chefdirigenten der Oper auf. In Oldenburg fiel das Votum der Gremien und des Orchesters für ihn erfreulich eindeutig aus. Fünf Jahre soll Vestmann hier wirken.

Zudem ist er an der Komischen Oper in Berlin seit drei Jahren ein geschätzter Gastdirigent. Mit den Berlinern und der „Zauberflöte” ging er 2015 auch auf China-Tournee. Bis zum 17. Juli leitet er noch HK Grubers vielschichtige Oper „Geschichten aus dem Wienerwald“. Folglich sei er in den vergangenen Monaten ständig unterwegs gewesen, „im Bermudadreieck Bonn – Berlin – Oldenburg“.

Bodenständig wird er in Oldenburg mit Verdis „Macbeth”. Vor der Eröffnungsoper der neuen Spielzeit am 17. September schwärmt er bereits von der intensiven und gegenseitig ideenreichen Zusammenarbeit mit Regisseurin Nadja Loschky: „Das ist Zusammenarbeit, wie ich sie mir vorstelle.“ Wenn er über den Mörderchor „Chi v’impose unirvi a noi” rezitiert („Und das in C-Dur!“), dann schlüsselt er die Musik auf, die Arme nehmen Dirigierhaltung ein.

Bei seiner Überzeugungskraft werden einige estnische Komponisten dem Oldenburger Konzertpublikum nicht fremd bleiben. Mit Heino Ellers Tondichtung „Morgendämmerung” beginnt er am 28. August die Sinfoniekonzerte. Es folgen Erkki-Sven Tüür und Arvo Pärt, gut eingebettet zwischen zu Recht bekannten und zu Unrecht eher gemiedenen Komponisten.

Sängerensemble und Chor dürften sich auf seine Dirigate freuen. Chordirigieren hat er schließlich als erstes gelernt: „Estland ist ein Land, in dem ganz viel gesungen wird. Beim Sängerfest in Tallinn stehen 30 000 Choristen auf der Bühne und 100 000 hören zu.“

Als Kind vorm Spiegel

„Gute Leute neben mir zu haben”, sei ihm extrem wichtig. „Wir sind mit motivierten Dirigenten ausgestattet, haben ein prächtiges Orchester und ein begeisterungsfähiges Ensemble.“ Das Dirigententeam bilden neben ihm der 1. Kapellmeister Vito Cristófaro, Klanghelden-Chef Thomas Honickel, Chordirektor Thomas Bönisch, Carlos Vázquez und Felix Pätzold.

Als Kind wurde Hendrik von seiner Mutter bereits auf die Bühne gestellt. „In der Theatergarderobe habe ich dann schon mal mit einem Strohhalm vor dem Spiegel dirigiert”, verrät er. Manche Karrieren im Leben zeichnen sich eben ganz früh ab.

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