Jever - Er brauchte keinen Schreibtisch, um im Zeitungsverlag präsent zu sein. Er ging fast täglich ein und aus, höflich, freundlich, ruhig. Wenn das Dienstliche besprochen war, erzählte er gern noch Privates, von der Jagd, dem Forstbetrieb, von Pferden.
Am Mittwoch ist Hajo Allmers im Alter von 76 Jahren unerwartet gestorben. Er hinterlässt seine Frau, zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.
1968 trat Hajo Allmers als 30-Jähriger das Erbe seiner Großmutter an, der Verlegerwitwe Maria Mettcker. Sie war nach dem Verlust ihrer beiden Söhne, die im Krieg gefallen waren, ohne direkten männlichen Erben und vermachte den Landbesitz ihren Töchtern, aber den Verlag und die Druckerei C. L. Mettcker & Söhne ihrem Enkel Hajo Allmers. Durch Kauf und Schenkung ging dann auch das Gut Moorhausen, Stammsitz des heute in sechster Generation betriebenen Familienunternehmens, in sein Eigentum über. Land- und Forstwirtschaft und Presseunternehmen blieben so in einer Hand.
Hajo Allmers hatte das Zeitungsmetier von der Pike auf gelernt, er absolvierte eine Schriftsetzerlehre im eigenen Haus, um sich anschließend in den Hauchler-Lehrwerkstätten in Biberach weiteren Schliff zu holen. Am 31. März 1964 absolvierte er seine Lehrmeisterprüfung.
Vier Jahre später gehörte ihm der elterliche Verlag. Er kümmerte sich vor allem um die Herausgabe heimatkundlicher Literatur. Bei Mettcker erschienen unter seiner Verantwortung zahlreiche Bildbände, aber auch regionalgeschichtliche Arbeiten sowie Gedicht- und Prosawerke nordwestdeutscher Schriftsteller.
Mit großem Engagement gab der Verleger den traditionsreichen Historien-Kalender des Mettcker-Verlags heraus, pflegte Kontakte zu zahlreichen Autoren und redigierte die monatliche Beilage „Friesische Heimat“.
Die publizistische und wirtschaftliche Verantwortung für die beiden Zeitungen, das Jeversche Wochenblatt von 1791 und den Anzeiger für Harlingerland von 1862, überließ Hajo Allmers anfangs, wie schon Maria Mettcker, dem Generalbevollmächtigten Dr. Fritz Blume senior und später Dr. Fritz Blume junior. Das änderte sich erst in den 1980er Jahren, als Hajo Allmers und seine Frau Elisabeth, die er 1971 geheiratet hatte, das Ruder selbst in die Hand nahmen.
Das Zeitungshaus ist seitdem wieder familiengeführt, daran änderte auch die Fusion mit dem Wilhelmshavener Brune-Verlag im Jahr 1999 nichts. Das Zeitungsgeschäft überließ Hajo Allmers seiner Frau Elisabeth als Geschäftsführerin und seinen Kindern – Sohn Robert Allmers, Stieftochter Doortje Sabin und Schwiegersohn Helmut Loerts-Sabin. Er selbst sah seine Erfüllung im land- und forstwirtschaftlichen Teil des Unternehmens.
Hajo Allmers war ein Naturmensch mit Leib und Seele. Keine schönere Beschäftigung gab es für ihn, als durch seinen Forst zu streifen, zu hegen und zu pflegen. Oder allein und mit Freunden zu jagen. Eher ein stiller Mensch, konnte er beim Thema Jagd und Forstwirtschaft regelrecht ins Schwärmen geraten. Als Eigentümer beträchtlicher Waldflächen war es ihm selbstverständlich, mit anzupacken und in der Weihnachtszeit Tannenbäume zu schlagen und zu verkaufen. Seine Erfahrung und sein Wissen um die Forstwirtschaft gab er gerne weiter, so engagierte er sich über viele Jahre in der Forstbetriebsgemeinschaft Ems-Jade, die er 1988 mitbegründet hat.
Als Verleger in fünfter Generation wusste Hajo Allmers sich der Tradition des Verlagshauses verpflichtet und nahm deshalb gerne die damit zusammenhängenden Verpflichtungen wahr, sei es die langjährige Vorstandstätigkeit im Verein der Getreuen zu Jever, den seine Vorväter mitgegründet haben, sei es die Zugehörigkeit zur Püttacht Wangerstraße, sei es die Mitgliedschaft in der 1986 gegründeten „Gilde zur Goldenen Linie von 1666“.
