• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Der Vater des weißen Blues

14.03.2014

Oldenburg Wer – gefühlt – sein halbes Leben lang als „Vater des weißen Blues“ bezeichnet wurde, muss zwangsläufig irgendwann zum „Opa des weißen Blues“ werden. Das klingt zwar weniger schön, dürfte aber dem so Bezeichneten ziemlich gleichgültig sein.

John Mayall jedenfalls macht aus seinem vorgerückten Alter gleich eine Tournee: Der Brite ist im vergangenen November 80 Jahre alt geworden und nennt seine Europareise konsequenterweise „80th Anniversary Tour“. Am 28. März macht Mayall einmal mehr in der Oldenburger Kulturetage Station.

52 Jahre lang hat der Gitarrist, Organist, Mundharmonikaspieler und Sänger aus dem englischen Macclesfield inzwischen damit verbracht, dem Nachwuchs (dem er in seiner Anfangszeit als 13-Jähriger ja selbst angehörte) zu beweisen, dass auch der weiße Mann (heute auch die weiße Frau) den schwarzen Blues hat und spielen kann.

Viel Selbstbewusstsein

Mayall selbst schulte sich zunächst auf Kunstschule und in der Armee, ehe er 1956 mit der Band The Powerhouse Four erste Gehversuche auf öffentlichen Bühnen wagte. Unterstützt durch Alexis Korner, dem eigentlichen „Vater des britischen Blues“, gründete er seine eigene Band Bluesbreakers und sammelte Erfahrungen in Londons Clubszene. Selbstbewusstsein war für ihn schon damals kein Fremdwort: „John Mayall plays John Mayall“ betitelte er seine erste, 1962 veröffentlichte Langspielplatte. Als fast 30-Jähriger fast etwas spät für eine große Karriere – aber eben nur fast.

Denn das Selbstbewusstsein wurde sehr schnell zu seinem Markenzeichen – und führte zu Mutmaßungen, Mayall dulde keinen weiteren Hochkaräter außer sich selbst bei den Bluesbreakers. Für die Fans, die ihm in Scharen zuliefen, war jedenfalls kaum nachvollziehbar, dass vor allem der Posten des Sologitarristen in der Band ständig neu besetzt wurde.

Bekannteste Beispiele: Eric Clapton hielt gerade mal ein Jahr durch bzw. ein Album (das stilprägende „Bluesbreakers with Eric Clapton“ von 1966). Peter Green blieb kaum länger, schaffte aber zwei Platten („A hard road“ und „The Blues alone“, beide 1967). Und der blutjunge Mick Taylor durfte zwei Jahre und fünf Alben („Crusade“ von 1967, „Diary of a band Vol. 1 und 2“, „Bare Wires“ und „Blues from Laurel Canyon“, alle von 1968) mitmischen.

Immerhin bewies der Meister Geschmack und holte die späteren Stars immer gern mal zu Aufnahmen ins Studio. Gerade der stete Austausch des Gitarristen belegte aber, dass John Mayall zu Recht Chef seiner Band war und ist. Denn nur selten litt die Musik unter einem Neuzugang, oft verbesserte sich das Zusammenspiel der Gruppe sogar.

Der Musiker schwärmt

Mayall nahm es gleichmütig: „Macht nichts. Jedes Mal, wenn ein Gitarrist geht, finden wir einen neuen, auch per Kleinanzeige“, antwortete er 1968 auf die Frage, wie er sich fühle nach dem Abgang von Peter Green. Die Zeitungsannonce hatte den Bluesbreakers immerhin Mick Taylor beschert. Etwa 20 Gitarristen hat John Mayall, selbst formidabler Saitenkünstler, in den bisher 52 Jahren seiner Karriere „verbraucht“ – ein Ritterschlag für den aktuellen Frontmann. Denn Rocky Athas ist bereits seit 2009 und der CD „Tough“ dabei, und Mayall schwärmt seitdem: Diese Band sei „die beste, die ich je hatte. Ich glaube, es ist unmöglich, eine noch bessere zu finden.“

Drei Kinder erziehen

So oder so – seit über 40 Alben lehrt Mayall die Welt seine Interpretation von Bluesrock, was Zeugnis ablegt nicht nur vom Selbstbewusstsein des Briten, sondern auch von seinem Können. Vom Start weg nur auf das LP- bzw. später CD-Format konzentriert, fehlen ihm zwar die großen Hits in seinem Portfolio (Ausnahmen „Room to move“ und „Crocodile Walk“), dafür entwickelte er den traditionellen amerikanischen Blues weiter und machte ihn mit starken Anteilen von Rock, Jazz und Weltmusik gewissermaßen europäisch. Der Mann, der Legionen britischer Musiker mit seinem Blues-Virus infiziert hat, fand zugleich Beifall beim Publikum weltweit.

Wenn John Mayall jetzt auf seiner gefühlt 520. Tournee durch die Lande reist, begleiten ihn neben Athas noch Greg Rzab (Bass) und Jay Davenport (Schlagzeug). Ausgezeichnete Musiker, die zwischen 22 und 28 Jahre jünger sind als ihr Bandleader. Der „Vater des weißen Blues“ erzieht gerade wieder mal drei Kinder – vor begeisterten Zuhörern auf der Bühne.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.