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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der Zauberer mit der Kamera

18.02.2016

Berlin Mit Rainer Werner Fassbinder gab er einst dem Neuen Deutschen Film ein Gesicht, mit Martin Scorsese prägte er die Bildsprache des amerikanischen Kinos: Michael Ballhaus, gebürtiger Berliner, gilt als einer der besten Kameramänner der Welt. Die Berlinale widmet dem großen Stimmungszauberer jetzt den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

„Das bedeutet mir sehr viel, weil ich viele, viele Jahre sehr verbunden war mit der Berlinale, und zwar von Anfang an“, sagt der 80-Jährige. Und erzählt, wie ihn schon 1980 sein späterer Tandempartner Scorsese bei dem Festival beeindruckt hat. „Das war damals so weit weg wie der Mond.“

Damals, das war die Zeit, als die Zusammenarbeit mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur Fassbinder gerade zu Ende ging. Fünfzehn Filme hatten die beiden gemeinsam gemacht, darunter Meisterwerke wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Die Ehe der Maria Braun“ (1979).

Unangefochten galten sie als Vorzeige-Duo des deutschen Films. Und doch kommt es 1980 bei der Romanverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ nach vielen Reibereien endgültig zum Bruch. Ballhaus und seine Frau Helga, Filmausstatterin im Team, hielten es mit dem „Koks-Monster“ nicht mehr aus, wie er in seinen 2014 erschienenen Memoiren „Bilder im Kopf“ schreibt.

Aus einer ersten Billig-Produktion mit John Sayles in den USA werden 25 Jahre Hollywood. Der Kameramann arbeitet als „Director of Photography“ mit den wichtigsten Regisseuren der Branche zusammen - von Peter Lilienthal über Wolfgang Petersen, Volker Schlöndorff, Robert Redford, Paul Newman, Mike Nichols bis zu Francis Ford Coppola. Doch seine wohl besten Werke entstammen der kongenialen Partnerschaft mit Scorsese.

Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film „After Hours“ (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk „Departed“ (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelt das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitet. Sein Blick liebe die Darsteller, sagte Ballhaus einmal. „Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht.“

Scorseses Bandenepos „Gangs of New York“ trug Ballhaus 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein - nach James L. Brooks“ Komödie „Nachrichtenfieber“ (1987) und Steven Kloves“ Nachtclubstory „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989). Legende ist dort die Szene, in der Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen großen 360-Grad-Bogen umfängt. Der „Ballhaus-Kreisel“ ist bis heute sein Markenzeichen.

Zehn wichtige Filme zeigt die Berlinale in einer Hommage, darunter auch vier der insgesamt sieben Gemeinschaftswerke mit Scorsese. Ballhaus, für den die Augen zeitlebens das wichtigste Werkzeug waren, kann sie selbst nicht mehr sehen. Der Grüne Star raubt ihm zunehmend das Augenlicht - er hat noch eine Sehkraft von 20 Prozent.

Sprechen mag er über die Krankheit nicht groß. Aber wie er da am langen Esstisch seiner lichtdurchfluteten Berliner Altbauwohnung sitzt, mit dem gepflegten kleinen Schnäuzer und den lustigen Hosenträgern, ist ihm die Trauer über den Verlust wohl anzumerken.

Seit fast zehn Jahren lebt Ballhaus wieder fest in seiner langjährigen Berliner Wohnung. Seine Frau Helga, Mutter der beiden Söhne, war 2006 nach fast 50 Jahren Ehe völlig unerwartet innerhalb von fünf Stunden in den USA an Krebs gestorben. Er ließ sie zuhause beisetzen.

2011 heiratet er die um 25 Jahre jüngere Regisseurin Sherry Hormann, für deren Film „3096 Tage“ über die jahrelang gefangen gehaltene Österreicherin Natascha Kampusch er noch einmal hinter die Kamera tritt. „Es war gerade für meinen letzten Film eine sehr schöne gemeinsame Erfahrung“, sagt er.

Am Donnerstag (18.2./21.30 Uhr) nun also der Ehrenbär. Festivaldirektor Dieter Kosslick nennt Ballhaus im Programmheft einen „ganz großen Meister der Kamerakunst“: „Er hat uns unvergleichliche Momente geschenkt, ungezählte Mal sein Auge geliehen.“ Herzlichen Glückwunsch.

Michell Pfeiffer in Ballhaus’ legendärem 360-Grad-Bogen

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