Bad Zwischenahn/Bremen - Ist ein Dirigent gut im Geschäft, wenn sein Terminkalender dicht bestückt ist? Etwa wie bei Antonius Adamske. Auftritte in Bremen, Hamburg, Göttingen und anderswo stehen an. Der 31 Jahre alte Ammerländer denkt erst einmal nach. Dann wiegt er den Kopf und wägt ab: „Man braucht langfristig viel Atem und kurzfristig neben gründlicher Arbeit gute Ideen.“ Immerhin: Dass er das alles mitbringt, hat sich schon weit herumgesprochen.

In der Nähe in Bremen lässt sich das aktuell verfolgen. Am kommenden Sonntag (15. Oktober, 19.30 Uhr) leitet er in der Kirche Unser Lieben Frauen den „RathsChor“ und die Bremer Philharmoniker im Oratorium „Paulus“ von Felix-Mendelssohn Bartholdy. Bremen zählt neben Hamburg, Göttingen und Hannover zu seinen musikalischen Hauptstandorten. „Der Wohnsitz Bad Zwischenahn passt für unsere Familie dazu ideal“, verrät er.

Im Ammerland ist Adamske aufgewachsen. Nach dem Abitur in Bad Zwischenahn hat er vorwiegend in Hannover, Basel und Würzburg studiert, hat in Oldenburg bei Kantor Johannes von Hoff die Ausbildung zum C-Kirchenmusiker absolviert. „Über das Orgelspiel bin ich überhaupt zur Musik gekommen, speziell zur Alten Musik“, erinnert er sich.

Konzentriert hat er sich auf Kirchen- und Barockmusik. „Immer offen für Neues sein, ist das Eine“, weiß er, „sich aber nicht zu verzetteln, das Andere.“ Tschaikowski erscheint in seinem Repertoire ebenso wie Schönberg. Aber mehr Gewicht liegt auf der Oper, vorwiegend aus dem Barock, dazu auf großen Oratorien. „Und auf besonderen Fundstücken“, fügt er an.

Alte Musik reicht für ihn vom Graubereich um 1550 bis zur Frühen Empfindsamkeit der 1810er-Jahre. Das ist die Musik der Klangrede, in der sich die Erzählkraft der antiken Rede wiederbelebt. „Der tönende Klangteppich, auf dem man sich mit großem Gefühl niederlässt, ist weniger meine Welt“, beschreibt er seine künstlerische Ästhetik. Vor allem das Singen findet er für die Gestaltung von Musik wichtig: „Da bilden sich erst die logischen Phrasen für Ablauf und Deutlichkeit.“ Das sind für seine Töchter Leda (dreieinhalb Jahre) und Juno (eineinhalb Jahre) natürlich fremde Begriffe. „Aber die singen schon in ihrem eigenen Stil“, sagt er lachend.

Nicht von ungefähr wurde Adamske 2018 zum Leiter des renommierten Hamburger Monteverdi-Chors gewählt. 2020 sicherte sich der „RathsChor“ seine Dienste. Mit dem Göttinger Barockorchester verbindet ihn eine lange Schaffenszeit. Seit diesem Jahr ist er Direktor von Chor und Orchester der Georg-August-Universität Göttingen. Aktuell lehrt der inzwischen promovierte Musikwissenschaftler Chor- und Ensembleleitung sowie Alte Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.

Was die „besonderen Fundstücke“ angeht: Einige aus dieser Sammlung breitet er am 12. November (Sonntag, 11 Uhr, Großer Saal der Elbphilharmonie Hamburg) mit dem Monteverdi-Chor, Instrumentalisten und einem ungewöhnlichen Gesangs-Ensemble aus. „Drei Countertenöre, zwei Tenöre, vier Knabensolisten, ein Bass. Da kommen tolle Klangfarben zusammen“, schaut er voraus. Die Werke unter dem Titel „Musik aus himmlischen Sphären“ stammen von Stefano Landi zu dessen „Il Sant’Alessio“ von 1631 und anderen Komponisten.

Landi? Wer bitte? Es passt in den Rahmen, außergewöhnliche Stücke zu finden und sie in außergewöhnlichen Formaten ideenreich und professionell aufzubereiten. Damit lässt es sich möglicherweise weit kommen.