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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Deshalb interessiert sich Hollywood für Oldenburg

16.09.2014

Oldenburg „Wer zeigt denn schon so einen Film?“, fragt Karsten Kastelan begeistert. Am vorletzten Tag des Filmfestes Oldenburg hat er die Dokumentation „Lost Soul“ gesehen. 24 Stunden später steht der 43-Jährige auf dem Balkon des Staatstheaters und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus. „Solche Filme kann man nur in Oldenburg entdecken.“

Kastelans Worte haben Gewicht. Er ist seit acht Jahren der Berlin-Korrespondent für das US-amerikanische Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ – und er kommt inzwischen jedes Jahr nach Oldenburg, um über das Festival für die fachkundigen Leser in den USA zu berichten.

„Ich war zum ersten Mal 2007 beim Filmfest zu Gast“, sagt Kastelan. Damals allerdings nicht als Journalist, sondern als Produzent der Dokumentation „Mein Freund, der Mörder“ von Regisseur Peter Fleischmann. „Unser Film war der erste, der im Rahmen des Festivals in der Justizvollzugsanstalt gezeigt wurde.“ Das damalige offizielle T-Shirt des Filmfests hält er noch heute in Ehren.

Auf die Frage, warum sich das große Hollywood eigentlich für das kleine Oldenburg interessiert, hat Kastelan eine einfache Antwort: „Weil Oldenburg sich für Hollywood interessiert.“ Kein anderes Festival in Deutschland sei so freundlich und aufgeschlossen gegenüber internationalen Independent-Produktionen. „Es ist kein Wunder, dass die Fachpresse jüngst das Filmfest Oldenburg als drittbestes Herbstfestival gewählt hat.“ Auf den Plätzen 1 und 2 landeten die hochkarätigen Festivals in Toronto und Venedig. „Der Rest liegt weit abgeschlagen hinter Oldenburg“, sagt Kastelan.

Die ständige Kritik an der Auswahl der Stargäste durch das Filmfest lässt der Hollywood-Reporter nicht zu. „Schauspieler wie Stacy Keach oder Sean Young sind vielleicht nicht mehr die größten Namen im Geschäft – aber sie sind Ikonen der Filmgeschichte!“

Auch, dass die Finanzierung des Filmfestes durch die Stadt ständig in der Diskussion steht, kann der deutsche Korrespondent nicht verstehen. „Viele Oldenburger sehen einfach nur die vielen Luxuskarossen, die hier die Gäste kutschieren, hören von den Partys und wissen, in welchen teuren Hotels die Stars wohnen“, sagt Kastelan. „Dabei geht dafür überhaupt keine Kohle drauf, das zahlen die Sponsoren.“ Das knapp kalkulierte Budget sei nötig, um die vielen Helfer zu bezahlen. „Die machen hier einen verdammt guten und harten Job.“ Ohne sie sei das Festival nicht zu stemmen.

Für 2015 wünscht sich Kastelan, dass die internationale Jury wieder ihre Arbeit in Oldenburg aufnimmt. In diesem Jahr war dies aus Kostengründen nicht möglich. „Mit der Jury ist es einfacher, große Namen und noch bessere Filme nach Oldenburg zu locken.“ Davon würden alle profitieren.

Kastelan hat noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag: „Zusätzliche Veranstaltungen für die Branche wie das diesjährige Co-Production-Meeting ‚Linking The North‘ würden das Festival aufwerten.“

Auf Festivalchef Torsten Neumann lässt der Hollywood-Reporter nichts kommen. „Ohne ihn würde es dieses Filmfest nicht geben“, sagt er. Und ohne ihn würde es auch nicht so viel Spaß machen. „Wenn sie ihn in Oldenburg nicht mehr haben wollen, dann soll er nach Bremen gehen“, lautet Kastelans Ratschlag. Die würden ihn mit Kusshand nehmen.

Denis Krick
Redaktionsleitung
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2150

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