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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„lolas - Der Deutsche Filmpreis 2020: Wohnzimmer statt großer Gala

23.04.2020

Berlin Wir kennen das jetzt schon. Familientreffen und Arbeitsgespräche werden von zuhause über Videoschalten abgehalten – so ähnlich wird nun auch der Deutsche Filmpreis verliehen. Die geplante Gala mit Hunderten Gästen in Berlin fällt aus. Stattdessen werden die Lolas am Freitag, 24. April, um 22.15 Uhr in einer TV-Sendung vergeben. Erstmals überträgt das Erste live.

Ganz absagen wollten die Veranstalter den Abend trotz Krise nicht. „Wir wollten ein Zeichen setzen der Zuversicht, der Solidarität. Und auch ein Zeichen dafür, dass das vergangene Kinojahr großartige Leistungen hervorgebracht hat“, sagte Schauspieler Ulrich Matthes, der seit einem Jahr Präsident der Filmakademie ist. Es gebe natürlich auch in der Filmbranche viele Ängste, viele ökonomische Verwerfungen. „Es besteht die Gefahr, dass kleinere Produktionsfirmen die Krise nicht überstehen, dass Kinos eingehen“, sagte er. Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, mussten Kinos bundesweit schließen, und viele Dreharbeiten ruhen derzeit.

Dass die Preise nun „nicht so glamourös mit Tschingderassabum und rotem Teppich“ verliehen würden, liege auf der Hand, sagte Matthes. Stattdessen sollen nur wenige Leute im Fernsehstudio sein. Laudatoren wie Anke Engelke, Charly Hübner und Iris Berben sollen für kurze Besuche vorbeikommen oder von zuhause sprechen, kündigte die Akademie an. Auch andere würden „aus ihren Wohnzimmern“ zugeschaltet.

Die Lolas gelten als wichtigste nationale Auszeichnung für die Filmbranche. Ähnlich wie bei den Oscars in den USA stimmen die rund 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie über die Gewinner ab. Der Filmpreis wird zum 70. Mal verliehen. Die Preise sind insgesamt mit fast drei Millionen Euro für neue Projekte dotiert, das Geld kommt aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Elf Nominierungen hat die Literaturverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ bekommen. Regisseur Burhan Qurbani verlegt den Roman von Alfred Döblin in die heutige Zeit, macht den Flüchtling Francis zum Protagonisten. Der Film mit Welket Bungué, Albrecht Schuch („Bad Banks“) und Jella Haase („Fack ju Göhte“) lief auf der diesjährigen Berlinale, nach der Corona-Krise soll er ins Kino kommen.

Das Drama „Systemsprenger“ kommt auf zehn Nominierungen in neun Kategorien. Regisseurin Nora Fingscheidt erzählt darin von einem Mädchen, das zu Gewaltausbrüchen neigt und immer wieder durch das Raster der Jugendhilfe fällt. Schauspielerin Helena Zengel ist mit gerade mal elf Jahren als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Die Filme „Berlin Alexanderplatz“ und „Systemsprenger“ sind als bester Spielfilm vorgeschlagen – ebenso wie das Drama „Es gilt das gesprochene Wort“ von Ilker Çatak über eine Scheinehe, der Musikfilm „Lindenberg! Mach dein Ding“ von Hermine Huntgeburth, das Großstadtmärchen „Undine“ von Christian Petzold und das Drama „Lara“ von Jan-Ole Gerster mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle.

Moderiert wird der Abend von Schauspieler Edin Hasanović („Skylines“). Außerdem sollen laut Ankündigung dabei sein: „Ein DJ. Und ein Hund. In einer 2400 Quadratmeter großen Studiohalle.“ Der Rest sei Überraschung. Sie hätten hoffentlich eine schöne Mischung aus digital und analog gefunden, sagte Matthes. „Und ich hoffe, dass wir zumindest in diesen zwei Stunden ein bisschen Freude in die Branche hineintragen können.“ Sie habe es wie viele andere dringend nötig.

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