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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Deutsche Klaviere weiter gefragt

10.01.2014

Braunschweig /Oldenburg Es sind, glaubt man offiziellen Verlautbarungen der Branche, keine guten Zeiten für Klavierbauer: Im Sommer wurde der amerikanische Hersteller Steinway nach dramatischem Geschäftsrückgang von einem Finanzinvestor übernommen, in Frankreich stellte jüngst der berühmte Fabrikant Pleyel die Produktion ein, zu dessen Kunden einst Frédéric Chopin zählte.

Gemessen an alten Glanzzeiten ist auch vom deutschen Klavierbau nicht so viel übrig – jedenfalls bei Betrachtung der reinen Stückzahlen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Deutschland jährlich mehr als 200 000 Klaviere gefertigt.

Seitdem sind die Zahlen kontinuierlich zurückgegangen. „Vor 20 Jahren wurden in Deutschland noch um die 40 000 Stück produziert, heute sind es noch etwa 11 000“, sagt Christian Blüthner-Hässler, Chef des Leipziger Unternehmens Blüthner und Vorsitzender des Bundesverbands Klavierbau. „Die Massenhersteller haben stark ausgedünnt. In der Oberklasse sind wir vergleichsweise stabil.“ Neue Klaviere seien in Deutschland nur sehr schwer an den Mann und die Frau zu bringen, weil es bereits so viele Klaviere gibt.

Ein Jahr Nachdenken

Das hält der Oldenburger Nicholas Claaßen für Unsinn. Er leitet, gemeinsam mit Ulrich Punke, der der Werkstatt vorsteht, als Geschäftsführer die alteingesessene Firma Piano Rosenkranz.

Claaßen (31), der unter anderem bei Steinway & Sons in Hamburg zum Klavierbaumeister ausgebildet wurde, sagt, dass gute „Einsteigerklaviere“, etwa von Yamaha, schon ab etwa 3000 Euro angeboten würden. Ein gutes deutsches Klavier würde allerdings zwischen 8000 und 10 000 Euro, etwa von der Firma Schimmel, kosten. Spitzenqualität bedeute auch Spitzenpreise.

Die meisten Kunden würden weiter auf deutsche Klaviere setzen, weil sie sehr wertbeständig seien. Gute Berufspianisten, auch aus dem Nordwesten, würden sogar bis zu 30 000 Euro investieren.

Seine Oldenburger Werkstatt, so Claaßen, sei nach wie vor ganzjährig gut ausgelastet, er könnte nicht bestätigen, das es der Branche schlecht gehe: „Die Kunden lassen auch oft ihre alten Flügel überholen, um den Wert zu erhalten.“ Nicht nur seine Firma repariert inzwischen Klaviere von Berlin bis nach Holland hinein. Das Problem der Branche sei, dass zu viele Klaviergeschäfte bundesweit von Verkäufern geführt würden. „Aber Klaviere kann man nicht wie Jeans verkaufen!“

Zuweilen dauere es sogar ein Jahr, bis der Kunde sich für ein bestimmtes Klavier entscheide. Die Kunden im Nordwesten würden lieber einmal gut als mehrmals billig kaufen. Und den Unterschied zwischen Qualitätsklavieren und etwa chinesischer Billigware würde man auch deutlich hören.

Gerade in der Spitzenklasse sind die Deutschen dominant. „Billige Klaviere“, so Claaßen, „klingen dumpf in den Bässen, matschig in der mittleren Lage und dünn-blechern in den Höhen. Ein gutes Klavier dagegen hat einen singenden Ton, kräftige klare Bässe, einen perlenden Diskant.“

Unbegrenzt haltbar

Nach einer Umfrage gibt es etwa acht Millionen Klaviere in Deutschland. In vielen Familien gibt es jahrzehntealte Instrumente.

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Ludwig van Beethoven (1770–1827) musste übrigens noch sehr häufig neue Instrumente kaufen. Das hatte nichts mit Mode zu tun. Der Komponist pflegte vielmehr seine Flügel mit donnerndem Spiel zu ruinieren. Die hölzernen Rahmen waren den tonnenschweren Zugkräften der Saiten nicht gewachsen.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts Stahlrahmen üblich wurden, sind die Instrumente bei regelmäßiger Wartung aber praktisch unbegrenzt haltbar.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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