Bremen - Die Bremer Kunsthalle wendet sich in der zweiten Jahreshälfte schwerpunktmäßig der Kunst in der deutschen Kolonialzeit zu. Zum Auftakt eröffnet das Haus am Samstag, 1. Juli eine Ausstellung mit knapp 200 Zeichnungen des südamerikanischen Künstlers Fernando Bryce (52), die unter dem Titel „Unvergessenes Land“ bis zum 19. November zu sehen sind. Eigens für die Schau entstand eine Werkgruppe, die sich auf Bremens Rolle in der Kolonialzeit bezieht. Mit seiner Arbeit wolle Bryce Bild- und Machtstrategien offen legen, sagte Kuratorin Anne Buschhoff am Freitag.
Bryce recherchierte zunächst in Bremer Archiven, um dann in einem zweiten Schritt subjektiv ausgewählte Dokumente mit schwarz-weißen Tuschezeichnungen zu reproduzieren. Damit wolle er Geschichte nicht rekonstruieren, sondern zeigen, wie sie konstruiert und medial vermittelt werde, sagte Buschhoff. Im Mittelpunkt der Werkgruppe steht der rotgeklinkerte monumentale Elefant in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs, der 1932 als „Reichskolonial-Ehrenmal“ eingeweiht wurde. 1990 wurde er zum „Antikolonialdenkmal“ umgewidmet.
In vier weiteren Werkgruppen beschäftigt sich der Peruaner mit welt- und geopolitischen Ereignissen, die im Zusammenhang mit Imperialismus und Kolonialismus stehen. Rund 100 Zeichnungen zeigen die Zerstörung von Kulturdenkmälern wie der Löwener Universitätsbibliothek oder der Kathedrale von Reims im Ersten Weltkrieg. „Sein Interesse gilt dem engen Zusammenhang von Kulturgutzerstörung und Kriegspropaganda“, erklärte Buschhoff.
Im August will die Kunsthalle eine Ausstellung unter dem Titel „Der blinde Fleck“ eröffnen und damit ihre Beschäftigung mit kolonialgeschichtlichen Themen vertiefen. Die Schau verknüpft die Geschichte des Kunstvereins in Bremen mit der Handelsgeschichte der Hansestadt. Sie untersucht Werke der eigenen Sammlung unter anderem von Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde und Fritz Behn auf koloniale Zusammenhänge. Europäische Sichtweisen sollen mit außereuropäischen Positionen der Kunst verknüpft werden.
