Berlin - Die Denkmalschutzorganisation World Heritage Watch fordert von Deutschland, mindestens fünf Jahre lang keine neuen Welterbestätten mehr für die Unesco-Welterbeliste zu nominieren. Die Umsetzung der Unesco-Strategie, zu einer globalen Ausgewogenheit der Welterbestätten zu gelangen, habe Deutschland während seiner am Dienstag zu Ende gegangenen Präsidentschaft des Welterbekomitees geradezu torpediert, kritisierte der Vorsitzende von World Heritage Watch, Stephan Dömpke, am Dienstag in Berlin.
Statt sich einige Jahre zurückzuhalten, wie es die Unesco fordere und Deutschland es mitbeschlossen habe, nominiere die Bundesrepublik unverdrossen neue Stätten und ziehe sich damit den Ärger anderer Mitgliedstaaten zu. Dömpke forderte Bund und Länder auf, eine mindestens fünfjährige Nominierungspause einzulegen und dafür ärmere Staaten bei ihren Nominierungen zu unterstützen. In Deutschland zählen derzeit 40 Stätten zum Weltkulturerbe.
Auf der Jahrestagung des Welterbekomitees am Wochenende in Bonn war die Hamburger Speicherstadt in die Welterbeliste aufgenommen worden. Dagegen war die Bewerbung um den Naumburger Dom gescheitert.
Die Bilanz der deutschen Präsidentschaft fällt für World Heritage Watch insgesamt nicht gut aus. Deutschland habe seinen Einfluss nicht genutzt, um einige der drängendsten Probleme anzugehen, kritisierte Dömpke. Nach wie vor leide die Unesco unter einer massiven Unterfinanzierung, seit die USA nicht mehr zahlen.
