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Dichter-Porträts von Reinhard Tschapke Schmiere stehen für Wolf Biermann

Erzählt über seine Begegnungen mit der Dichterprominenz: Reinhard Tschapke

Erzählt über seine Begegnungen mit der Dichterprominenz: Reinhard Tschapke

Anke Bolting

Oldenburg - Für Wolf Biermann stand er Schmiere, mit Siegfried Lenz verpasste er fast einen Auftritt, von Günter Kunert, der an Schlafstörungen litt, bekam er mitten in der Nacht Anrufe: Dr. Reinhard Tschapke (67), Literaturwissenschaftler und ehemaliger Feuilleton-Chef der NWZ, kennt und kannte viele Schriftsteller persönlich, etliche wurden Freunde.

Aus diesen Verbindungen entstand einst die NWZ-Reihe „Begegnungen“, die die Autoren für viel beachtete Lesungen nach Oldenburg brachte. Hinter den Kulissen ergaben sich dabei zahlreiche Situationen, in denen sich die Dichterprominenz von ihrer ganz eigenen Seite zeigte – großmütig und großmäulig, liebenswert und launisch.

Herzliche Offenheit

Über die „Begegnungen“, die großen Auftritte vor ausverkauftem Saal im Oldenburger Kulturzentrum PFL, hat die NWZ ausführlich berichtet. Die Anekdoten drumherum hat Reinhard Tschapke mit in den Ruhestand genommen und in aller Ruhe aufgeschrieben. Sein nun im Isensee-Verlag erschienenes Buch „Oldenburger Begegnungen“ nimmt die Leser mit hinter die Bühne, auf Zug- und Autofahrten, zu Buchmessen und in private Dichterwohnzimmer. Mit viel Humor, galanter Ironie, herzlicher Offenheit und einem sicheren Gespür für die Grenze zwischen Neugier und Indiskretion erzählt Tschapke über skurrile, prägende, bewegende und (fast) handfeste Begegnungen – etwa mit dem rüpelhaften Wolf Wondratschek, der ihm einige peinliche Situationen und fast ein Handgemenge bescherte.

Schillernde Gästeliste

Tschapkes literarisch-künstlerische Gästeliste ist lang und schillernd. Seine Porträts von Inga Rumpf bis Elfi Hoppe und von Johannes Mario Simmel bis Burkhard Driest sind ebenso amüsant wie hintergründig – und verbinden literarischen Geist mit journalistischer Beobachtungsgabe.

Den Journalisten legt Tschapke ohnehin nicht ab. Am Ende des Buchs greift er in verschmitzten Essays über „Herrn Denglisch“ und die Kritikerzunft Themen auf, die ihn schon in der Redaktion umgetrieben haben. Seine scharfsinnigen Abrechnungen mit absurden Anglizismen sind legendär, seine Haltung zum Erhalt der deutschen Sprache klar: „Mehr Selbstbewusstsein? Schön wär’s. Und nötig eigentlich auch“.

„Oldenburger Begegnungen“ von Reinhard Tschapke ist erschienen im Isensee-Verlag Oldenburg und kostet 12 Euro.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)
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