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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Dichter lesen hören ein Erlebnis

13.08.2013

Hamburg Schriftstellern, Dichtern beim Vortragen ihrer Arbeiten zuzuschauen, ist äußerst aufschlussreich. Manche lesen, als würfen sie ihre Texte gleichgültig dem Publikum vor die Füße, eher: vor die Ohren. Andere wiederum begleiten ihre Arbeiten gestikulierend.

Dann gibt es noch jene, die monoton ihrer Pflicht Genüge tun, als wollten sie sich rasch einer unbequemen Aufgabe entledigen. Wie gelesen wird, erfahren wir aus Rezensionen von Lesungen oder Dokumentaraufnahmen kaum. Dabei scheint mir doch wichtig, wie ein Autor sein Wort einschätzt.

Ich meine nicht, wie er sich mehr oder minder professionell präsentiert, sondern, was ihm die Wörtlichkeit an sich bedeutet. Da liefert uns Reiner Kunze, der an diesem Freitag nun seinen 80. Geburtstag feiert, ein Beispiel für einen Poeten, für den das einzelne Wort noch etwas außerordentlich Wesentliches ist.

Kunze geht mit jedem Wort so um, als sei es eben erst erfunden worden, als sei es ganz und gar neu, noch nie gehört, absolut frisch, noch nicht seiner Aura entkleidet. Obwohl er ja höchstpersönlich auf dem Podium steht, zieht er sich hinter die Worte zurück.

Nicht seine Persönlichkeit, sein Auftreten, sein Auftritt haben also zu gelten, sondern jedes der von ihm exakt artikulierten Worte. Ich glaube, selbst wenn Kunze aus einem Lexikon läse, wir wären erstaunt, dem Dargebotenen etwas offenkundig von uns Überlesenes wahrzunehmen.

Nicht zufällig ist Kunze kein appellativer Dichter. Und nicht zufällig enthält er sich langer und vor allem endloser Strophen, seitenübergreifender Darstellungen der Standardformeln, wie sie gegenwärtig in viel zu vielen Gedichten in Deutschland auftauchen. Er verstößt nicht gegen das Gebot: Ein Gedicht beschreibt nicht, es übermittelt die Essenz der Dinge.

Und die erscheint nur im Wort, das Wort ist keineswegs Kleid, es ist sie im eigentlichen Sinne selber. Denn außerhalb des Wortes herrscht nur die Finsternis. Und so muss das Wort gezeigt und vorgeführt werden: Es ist die Sache, die es benennt und verdeutlicht und überhaupt erst zur Sprache bringt.

Kunze einmal lesen hören und auch lesen sehen, bringt eine Annäherung an das Wort – das bekanntlich ja am Anfang war – und wie es am Anfang war, zu uns zurück. Das ein Leben lang geleistet zu haben, ist aller Ehren wert.

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