Oldenburg - Eine Gruppe Kinder verschlägt es auf eine einsame Insel. Ganz auf sich allein gestellt, entwickelt sich ein gewalttätiger Konflikt, der die Gruppe in zwei Lager spaltet. Im Roman „Der Herr der Fliegen“ von Literatur-Nobelpreisträger William Golding (1911–1993) gibt es am Ende Tote. In der niederdeutschen Theaterfassung „Fleegenkönig“ von Annegret Peters von der August-Hinrichs-Bühne bezieht einer der Bösen am Ende Schläge.
„Das reicht als dramatischer Effekt“, sagt Dzenet Hodza. Die Theaterpädagogin hat das Stück mit dem Kinderclub des Platt’n Studios am Oldenburgischen Staatstheater einstudiert. Das Ergebnis wird an diesem Sonntag um 16 Uhr im Spielraum des Großen Hauses präsentiert.
Der „Fleegenkönig“ behandelt das Thema Gewalt und ist für die Kinder, zwischen zehn und 13 Jahre alt, eine Herausforderung, aber keine Überforderung. „Sie erleben Mobbing im Internet und in der Schule, haben Konflikte und Aggressionen. Sie lernen aber nicht, damit umzugehen“, erklärt die 41-Jährige und kommt auf die zentrale Frage des Stücks: Wann ist man böse? Wann ist man gut? Ist man automatisch gut, weil man sich zurückhält? „Unser Held ist gar kein richtiger Held, weil er sich nicht durchzusetzen weiß“, sagt Hodza.
Geprobt haben die Kinder seit Mitte Oktober, anfangs einmal wöchentlich, im Endspurt fast täglich. Wegen Stundenplanänderungen mussten drei Kinder die Arbeit vorzeitig aufgeben, für sie sprangen drei Akteure des Jugendclubs des Platt’n Studios ein, die mit dem eigenen Stück „Broken Pieces“ eigentlich genug um die Ohren haben. „Für den Kinderclub war es eine Bereicherung“, freut sich die Spielleiterin.
Die Guten im „Fleegenkönig“ sprechen Hochdeutsch, die Bösen Plattdeutsch. „Das ist dramaturgisch sinnvoll“, erklärt Hodza. Allerdings bringe das auch Probleme mit sich. Niederdeutsch habe etwas Weiches, es sei schwierig, auf Plattdeutsch gemein zu sein. „Das Wort Rache gibt es zum Beispiel im Plattdeutschen gar nicht“, ergänzt Gesche Gloystein, Dramaturgin am Staatstheater. Als Sprachpatin hat Christina Legner von der August-Hinrichs-Bühne den Einstieg der Kinder in die plattdeutsche Sprache begleitet.
Den Einstieg ins Theaterspielen und in die niederdeutsche Sprache – das will das Platt’n Studio im Kinderclub +8, im Jugendclub +14 und im Erwachsenenclub +18 miteinander verbinden. Nach den Theaterferien geht es weiter. Wer Interesse hat, kann sich bei Gesche Gloystein,
