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Film Darum hat dieser Film Helen Wendt emotional extrem herausgefordert

Henrieke Balzer
Was bedeutet Herkunft, wo ist Heimat? Die in der DDR aufgewachsene Schauspielerin Helen Wendt

Was bedeutet Herkunft, wo ist Heimat? Die in der DDR aufgewachsene Schauspielerin Helen Wendt

Cine Global Filmverleih

Oldenburg - „Was braucht es, um sich einem Staat zugehörig zu fühlen? Und reicht es, sich zugehörig zu fühlen, um es auch zu sein?“ – Helen Wendt

Die Frage nach der eigenen Identität beschäftigt einige Menschen mehr als andere. Sie richtet sich zum Beispiel nach der Hautfarbe oder dem Land, in dem man lebt und aufgewachsen ist. Selbst wenn diese Frage beantwortet scheint, gibt es immer noch rassistische Strukturen in der Gesellschaft, die einem die eigene Identität absprechen wollen.

Die Schauspielerin Helen Wendt ist eine der Menschen, die diese Frage beschäftigt. Geboren in der DDR als Tochter einer deutschen Tänzerin und eines mosambikanischen Anthropologen hat sie früher ihr „Anderssein“ ignoriert. Heute arbeitet sie ihre Vergangenheit auf. Diese Identitätssuche Teil des Dokumentarfilms „Independence“. Er verfolgt nicht nur Helens Geschichte, sondern lässt auch Unabhängigkeitsbewegungen in Mosambik, Südsudan, Großbritannien, Katalonien und Bayern zu Wort kommen. Im Film werden einige große und hochaktuelle Fragen gestellt: Was bedeutet Unabhängigkeit? Wie prägen Kolonialismus und Rassismus unsere Welt heute noch?

Die Idee für „Independence“ gab es bereits 2017, denn in dieser Zeit kam es zu einigen politischen Umbrüchen. In Kurdistan fand das Unabhängigkeitsreferendum statt und in Katalonien stimmte das Parlament für die eigene Unabhängigkeit. Der Brexit wurde zu einem prägenden Begriff. Dadurch wurde deutlich, dass Menschen für ihre Unabhängigkeit nach wie vor viel riskieren, was die Entstehung des Films beeinflusst hat, sagt der Regisseur Felix Meyer-Christian.

2020 in Afrika gedreht

Anfang 2020 reiste Helen Wendt mit Meyer-Christian und dem Team des Films nach Mosambik. Dort hat sich schnell herausgestellt, dass sie mit ihrer Geschichte alles andere als allein ist. So kam es erst, dass Helen mit ihrer Identitätssuche mehr in den Fokus des Films rückte.

Daraufhin entstehen zwei Narrative: Helens persönliche Suche nach Identität und Unabhängigkeit und die politischen Unabhängigkeitsbewegungen in anderen Ländern. Indirekt hängen sie miteinander zusammen. Das Heimatland von Helens Vater, Mosambik, ist selbst erst seit 1975 unabhängig von Portugal.

Für den Regisseur Felix Meyer-Christian ist es nicht das erste Mal, dass er in Konfliktgebiete reist, um dort zu drehen. Seine Arbeiten thematisieren oft globale Umbrüche. Dafür war er unter anderem schon in der Ost-Ukraine und in Afghanistan.

Abschied von der Bühne

Helen Wendt war bis vor Kurzem noch Teil des Schauspiel-Ensembles am Staatstheater in Oldenburg. Für sie ist es etwas Besonderes, nun keine Rolle mehr auf der Bühne einzunehmen, sondern sich selbst vor der Kamera zu repräsentieren. „Independence“ ist das „emotional herausforderndste“ was sie bisher in ihrem Leben gemacht hat. Diesen Schritt sei sie ganz bewusst gegangen. „Ich glaube, dass Leute, die selbst mit einer binationalen Familiengeschichte aufgewachsen sind, beim Film sehr viel für sich mitnehmen können“.

Alle anderen erhoffe sich Helen damit zu sensibilisieren und bestehende Vorurteile zu hinterfragen. Sie jedoch habe erst durch die Vorbereitung des Films angefangen, sich mit dem Thema Identität und Zugehörigkeit auseinanderzusetzen. Diese Entwicklung kann im Film beobachtet werden, auch weil ein Gespräch zwischen Helen und ihrer Mutter gezeigt wird.

Preis für beste Doku

„Independence“ wurde vom Max Ophüls Preis 2023 für den besten Dokumentarfilm und für die beste Musik in einem Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die Jury urteilte, dass der Film „in Gänze überzeugt und begeistert“. An der Musik war der Komponist Markus Thomas beteiligt, der für den Film unter anderem mit dem Orchester des Staatstheaters in Oldenburg zusammenarbeitete.

Besonders eindringlich sind die Tonspuren von Sprechchören, die auf Kund­gebungen aufgenommen wurden und immer wieder auftauchen. Neben dem dokumentarischen Teil findet auch der künstlerische Aspekt im Film große Beachtung. So wird beispielsweise eine Tanzinstallation zu sehen sein. Sie kann den Zuschauern Raum geben, über das zuvor Gesehene nachzudenken, erklärt Wendt.

Durch die unausweichliche Verknüpfung von Zugehörigkeit, Unabhängigkeit und Kolonialismus wird klar, dass der Film nicht nur für Menschen auf Identitätssuche geeignet ist. Dass die Themen im öffentlichen Diskurs stattfinden müssen, bestätigt Helen Wendt. Sie hat damit ein Lebensprojekt gefunden, wie sie sagt. Sie will sich weiter stärken, wie sie besser auf bestimmte Situationen reagieren kann und sich als schwarz identifizieren. „Für mich ist es erst mal das Wichtigste, das persönlich zu bearbeiten, und das wird noch dauern“.

Der Film

„Independence“ läuft am Sonntag, 17. März, um 11 Uhr im Casablanca-Kino Oldenburg. Im Anschluss wird es ein Filmgespräch mit Helen Wendt und Regisseur Felix Meyer-Christian geben. Tickets unter

www.casablanca-kino.de

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