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Gildefest Die Jäger der „Gildenen“ Schätze

Wildeshausen - Lachend blicken Rolf Kostermann und Karl-August Kolhoff auf ein einlaminiertes Bild an der Zimmerwand des Gilde-Archivs. „681 Jahre Wildeshauser Schützengilde“ prangt dort oben auf einem Werbeplakat. „Da war wohl einer seiner Zeit voraus“, stellt Klostermann schmunzelnd fest – schließlich feiert die Gilde in diesem Jahr „erst“ ihr 610-jähriges Bestehen. Dieser „eine“ war seinerzeit der Verlag Bruno Bartels, damals ansässig an der Huntestraße, und heute nicht mehr existent in Wildeshausen. „Zusammenhang ausgeschlossen“, fügt Klostermann feixend hinzu. Beim Setzen wurde statt der 5 eine 6 genommen, das Gildefest damit 100 Jahre älter.

Dias, Negative, Filme

Diese und andere Kuriositäten, aber natürlich vor allem auch die „ganz normalen“ historischen Schätze aus der Gildezeit jagen, suchen und finden die beiden Männer, die sich mindestens einmal in der Woche für einen Nachmittag in ihr Büro am Krandel zurückziehen, seit nunmehr 2009. Sie sichten Fotos, Dias, Negative, Filme und Dokumente der Gilde-Geschichte, ordnen diese zeitlich zu und erfassen sie mit einem Programm am Computer. „Wir wollen, so gut es geht, festhalten, wer zu welchem Zeitpunkt und wo auf einem Bild zu sehen ist“, erklären die beiden „Gilde-Urgesteine“.

1977 hatte sich Ralf Klostermann als Rekrut in der Gilde eingeschrieben, ein Jahr später wurde er Mitglied in der Wachkompanie, in der er vom einfachen Soldaten über den Gefreiten zum Fourier aufstieg, ehe er sich 1993 eine Offiziersstelle kaufte. Vom Leutnant 1998 ist er seit 2008 zum Hauptmann aufgestiegen, und wenn alles nach Plan läuft, so Klostermann, „werde ich in diesem Jahr zum Major ernannt“. Zudem fungiert er als Vorsitzender des Inventarausschusses der Gilde.

Auch Karl-August Kolhoff verbindet eine jahrzehntelange Mitgliedschaft mit der Gilde – und so ist die enorm aufwendige und schier nie enden wollenden Sisyphus-Arbeit im Gilde-Haus am Krandel für die beiden 67-jährigen Rentner „mehr Hobby und Spaß als alles andere“.

Etwa 13 000 Objekte

„Es ist schon jetzt ein wirklich tolles Nachschlagewerk entstanden, das aber noch längst kein Ende gefunden hat“, betont Rolf Klostermann. Rund 13 000 Objekte haben er und Kolhoff in ihrem Archiv. Das Gros wurde aus dem jahrzehntelang gesammelten, historischen Archiv von Alfred Panschar übernommen – der Heimatforscher hatte im Jahr 2008 seine Sammlungen an die Gilde übergeben. Hinzu kommen die zahlreichen Bilder aus dem Privatbesitz der Wildeshauser, die regelmäßig mit alten Schätzen zu den „Jägern" kommen, um mehr über sie zu erfahren, oder einfach so das Büro besuchen, um genaueres „über die Geschichte hinter dem Bild herauszubekommen“, wie es die beiden Männer ausdrücken.

„Wir versuchen wirklich alles über die Bilder herauszubekommen, wer das Foto gemacht hat, wer auf dem Bild zu sehen ist und aus was für einem Jahr es stammt“, beschreibt Klostermann. Dank PC werden nach der Eingabe von Personen Verbindungen zu anderen Familiennamen oder zu Positionen innerhalb der Gilde geknüpft. „So entsteht über jede namentlich bekannte Person eine Art kleines Porträt.“

Und wenn die Arbeit doch droht anstrengend zu werden, dann haben die beiden Jäger ja auch noch jene „Gildenen“ Schätze, die sie zum Lachen bringen. Nur zwei Meter neben dem Plakat zum 681-jährigen Bestehen steht ein Schild aus den 1960er Jahren. „Die Mitgliedskarte berechtigt nicht zum freien Eitritt zu den Festsälen“, heißt es auf diesem. „Was ein fehlender Buchstabe doch so alles verändern kann“, kommentiert Klostermann schmunzelnd.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
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