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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wa(h)re Liebe eröffnet das Filmfest Oldenburg

12.09.2016

Oldenburg Mama hieß mal Vicki Venus. Der Name sagt es: Sie drehte einst Pornos. Zumindest so lange, bis bei einer Szene – gewissermaßen als Unfall – Töchterchen Lucy gezeugt wurde, heute 17 Jahre alt. Wie reagiert ein Mädchen, wenn es plötzlich erfährt, dass ein Pornodarsteller sein Vater sein könnte? Und die alleinerziehende Mama nicht weiß, wer der Papa ist?

Nun, Lucy fällt aus allen Wolken, und ihr Frust wandert als Energie in die Suche nach dem Erzeuger. Eine erste Spur führt zu Udo, einem abgewrackten Pornostar. Schon geht es auf eine schräge Tour in die Vergangenheit, auf eine Reise, die, wie bei einem guten Film üblich, auch eine Reise der Akteure zu sich selbst ist.

Wo es Eintrittskarten gibt

Restkarten (8 Euro) für die Aufführung von „Strawberry Bubblegums“ zur Eröffnung des Oldenburger Filmfestivals am 14. September um 19 Uhr in der EWE-Arena gibt es unter: Telefon   0441/36 16 13 66 und Telefon   0180/605 04 00.

Der Film wird auch am 17. September um 16.30 Uhr im Oldenburger EWE-Forum (Alte Fleiwa) gezeigt.

Das 23. Filmfestival läuft bis zum 18. September. Man hofft auf 15 000 Besucher.

Der Regieneuling Benjamin Teske hat mit dem Film „Strawberry Bubblegums“ keinesfalls zähes Erdbeerkaugummi geliefert, sondern eine mutige Komödie gedreht, die am Mittwochabend das Filmfest Oldenburg eröffnen wird. Für die Hauptrolle der Lucy hat Teske das Riesentalent Gloria Endres de Oliveira gewinnen können, André M. Hennicke spielt wunderbar den alternden Pornostar Udo mit dem hübschen Künstlernamen Ochsenschwanz und Jasmin Tabatabai eine zwischen Ohnmacht und Angst schwankende Mutter.

Mit Udo und Lucy pöttern wir auf einem Motorrad mit Beiwagen durch die Lande. Und Lucy, die eben noch mit ihrer Freundin scherzte, wie es wäre, Eltern beim Sex zu ertappen („Ich würde lieber sterben“), landet in heruntergekommenen Bums-Kaschemmen und schummerigen Sex-Schuppen, auf schmuddeligen Rummelplätzen oder in der sterilen Atmosphäre eines fabrikmäßigen Pornodrehs.

Dabei ist der mit Bonbonfarben und lockerer Musik arbeitende Film nie blanke moralische Anklage. Auch Voyeuristen werden kaum bedient. Sicher sehen wir Sex, doch eher zum Wegsehen: Alte Knacker, die sich selbst befummeln, robuste Frauen, die jeden Ekelkram mit sich machen lassen.

Jegliche Illusionen über die Porno-Branche werden selbst von einer behutsamen Kamera beerdigt. Die Einsichten ins Pornogeschäft sind nicht neu? Stimmt, aber noch nie wurden sie so schön mit Humor, Melancholie und Ironie gewürzt.

Lucy taucht in die Porno-Welt ein, aber sie wird nicht Teil von ihr. Dass sie immer noch zwischen der Ware Liebe und wahrer Liebe unterscheiden kann, erzählt uns „Strawberry Bubblegums“ als unterhaltsames Roadmovie. Sehenswert ist allein schon Hennicke als versoffener, tragikomischer, ewiger Verlierer Udo. Und die großen, dunklen, staunenden Augen von Lucy wird man auch nicht so schnell vergessen.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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Oldenburger Filmfest | Filmfest

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