Seefeld - Er ärgert sich gern und möchte etwas gegen das schlechte Image des Ärgerns tun. Denn schließlich sei Ärger ein guter Energielieferant. Für Frederic Hormuth stellt sich nicht die Frage, ob er sich ärgern sollte, sondern wie der Ärger aussehen könnte.
Pointenreiche Kostproben gab der Mannheimer Kabarettist jetzt vor einem kleinen Publikum im Kulturzentrum Seefelder Mühle. Wie Cornelia Iber-Rebentisch vom Mühlenverein richtig vermutete, dürfte die Vorstellung im Mühlencafé eine der kleinsten in seiner Karriere gewesen sein.
Nörgelnd und satirisch
Rund 35 Kabarett-Fans hatten den beschwerlichen Weg durch Eis und Schnee gewagt, um ein zweistündiges Feuerwerk an nörgelnd satirischen Betrachtungen zu Politik- und Gesellschaftsthemen verfolgen zu können. Gleich der erste Gag zündete allerdings noch nicht so gut, denn das Tempo überforderte die Besucher. Die Direktheit der Ansprache zeigte aber bald Wirkung und erzeugte viele Lacher und zustimmendes Kopfnicken bei den Zuhörern.
Ob GroKo, Flexiquote, Mütterrente, Maut oder Finanzierungsvorbehalt – zu allem hatte Frederic Hormuth etwas zu sagen, und er sparte auch nicht mit bissigen Kommentaren. Das ganze kam wie aus der Pistole geschossen und erforderte auch vom Publikum ein gewisses Maß an Konzentration.
„Der Koalitionsvertrag ist wie zwei ineinander verkeilte Autowracks mit einer Opposition in homöopathischen Dosen“, tönte Hormuth und nannte Ronald Pofalla einen Brezelverkäufer bei der Bahn. Die kompetenzfreie Ursula von der Leyen könne an der Front nun alleine mit ihren sieben Kindern und deren sieben Pferden eine eigene Kavallerie stellen.
Demo auf dem Sofa
Die NSA-Affäre, Kriegseinsätze mit Kinderbetreuung, Waffenverkäufe und einiges mehr beschäftigten den 45-Jährigen und trieben ihn zu humorvoll-kritischen Äußerungen an. Er sei überzeugter Pazifist und in den 80-ern geprägt worden. Heute fänden die Demos nicht mehr auf der Straße statt, der digitale Zorn entbrenne im Internet, während die User auf den Sofas hockten.
Unweit vom Kernkraftwerk Biblis A groß geworden, sind ihm diese Energieproduzenten ein Dorn im Auge. Er finde Windkraftgegner gut, dennoch wäre ihm jede Verspargelung – zur Not mit Sauce Hollandaise – lieber, denn jedes Kernkraftwerk sei auch ein Windradbremser.
„Was ist das für eine Welt?“, fragte er und kam zu der Antwort: „Früher war alles schöner.“ Heute stünden wir nur noch auf dem Schlauch und liefen der Gegenwart ins Messer.
Hormuth machte seinem Ärger auf temperamentvolle Weise Luft, scherzte über Unwägbarkeiten und kritisierte das aktuelle Politikgeschehen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Vor seinem Mund befand sich nur das überdimensioniertes Mikrofon, das er in dem kleinen Raum gar nicht gebraucht hätte.
