Dietrichsfeld - „Woran glaubst Du?“ Diese Frage stellten die Oldenburger Schreibwerkstatt, die Ev.-luth. Kirchengemeinde und der Lokalsender Oldenburg Eins insgesamt 60 Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren aus verschiedenen Kulturen. Unter der Leitung von Liane Hadjeres von der Schreibwerkstatt hatten sich die Teilnehmer in den vergangenen Tagen in eigenen Texten mit ihrem Glauben und ihren Wertvorstellungen auseinandergesetzt und diskutierten diese am Dienstag in gemischten Gruppen in der Martin-Luther-Kirche.

Es mag der Anwesenheit von Kameras und Mikrofonen geschuldet sein, dass die Diskussionen recht zaghaft begannen. „Wie betet ihr?“ oder „Was macht ihr an euren Feiertagen?“ waren Einstiege, über die sich die Jugendlichen ins Thema tasteten. Lebendiger wurde die Diskussion, als die Schüler ihre im Vorfeld verfassten eigenen Texte einbrachten. Hier traten auch schnell die gemeinsamen Aspekte verschiedener Religionen zutage. So staunte Sabat (12), eine muslimische Kurdin aus dem Irak, nicht schlecht, dass es bei den Christen auch eine Fastenzeit gibt, die aber im Allgemeinen deutlich lockerer gehandhabt wird. Aus Sabats Textbeitrag zu ihrem Glauben fielen wiederum Pastorin Anja Kramer neue Aspekte auf. „Vieles von dem, was Sabat schreibt, könnte ich auch so sagen“, findet sie. „Dass man sich kein Bild von seinem Gott machen soll, dass man hilfsbereit zu anderen sein soll... da haben wir vieles gemeinsam.“

Auf die Frage „Was möchtest du anderen aus deinem Glauben mitgeben?“ kristallisierte sich vor allem der gegenseitige Respekt als gemeinsamer Wert heraus. „Einige haben in der Schule auch schon Mobbing aufgrund des Glaubens erlebt“, erklärt Liane Hadjeres. „So eine Erfahrung betont den Stellenwert des Respekts noch stärker und sensibilisiert die Jugendlichen auch für den vorsichtigen Umgang mit dem Glauben anderer.“ Und noch etwas fiel ihr dabei auf: „Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund wissen es sehr zu schätzen, dass sie ihren Glauben hier frei ausleben dürfen.“ Konflikte gebe es hin und wieder nach wie vor, vor allem aber auch viele Freundschaften zwischen den kulturell vermeintlich so verschiedenen jungen Menschen. „Das ist dann wieder so eine Sache, die naturgemäß zu selten wahrgenommen wird“, findet Hadjeres. „Wenn sich Jugendliche verschiedenen Glaubens prügeln, liest man in der Zeitung davon. Aber man liest eben nicht, dass sich Tausende jeden Tag vertragen und Freundschaften pflegen.“

Ab März zeichnet Oldenburg Eins zehn Radiosendungen auf, in denen jeweils sechs Jugendliche ihre Texte vorlesen und über ihre Haltung zu Glaubens- und Lebensfragen sowie die Eindrücke ihrer Begegnungen interviewt werden. Die Sendetermine für die Reihe stehen noch nicht fest. Außerdem sollen die Texte in den kommenden Tagen auf der Webseite www.oldenburger-schreibwerkstatt.de veröffentlicht werden.