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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Dööspaddel als Wutbürger

23.01.2012

OLDENBURG Im Kühlschrank hockt ein mit Blindheit geschlagener Polizist. In der Küche steht ein Sarg, gefüllt mit Reis, der von einem Lastwagen „gefallen“ ist. Zwei Frauen sind hochschwanger und dann auch wieder nicht. In der von Cornelia Ehlers ins Niederdeutsche übersetzten Farce „Betahlt warrt nich!“ von Dario Fo geht es drunter und drüber.

Die Inszenierung von Maria-Elena Hackbarth für das Niederdeutsche Schauspiel des Oldenburgischen Staatstheaters traf im Kleinen Haus voll Herz und Nerv des Premierenpublikums, das die Spieler, ausnahmslos Mitglieder der August-Hinrichs-Bühne, mit Bravo-Rufen und lang anhaltendem Beifall belohnte.

Das Geld ist knapp bei Antonia (Rita Martens) und Georg (Herwig Dust). Die Preise für Lebensmittel haben sich verdoppelt, in der Bevölkerung rumort es. Antonia schließt sich einer Protestaktion an (Occupy lässt grüßen) und bezahlt im Supermarkt nur die Hälfte für ihren Einkauf. Ihre Freundin Maria (Petra Bohlen) hilft ihr, die „halb geklaute“ Ware zu verstecken, denn Georg (arm, aber ehrlich) nimmt es genau mit dem Gesetz.

Spitzzüngig und plietsch

Zudem ist ein Polizist (Lars Möller spielt – gespickt mit selbstironischen Bemerkungen zu den Besetzungsnöten mancher Bühnen – zugleich den Leichenbestatter, Georgs Vater und einen Demonstranten) den Frauen auf den Fersen. Als er das Haus durchsuchen will, muss Maria schwanger und ihr Mann Jochen (Jürgen Müller) unerwartet Vater werden.

Von nun an wollen die Absurditäten kein Ende nehmen, und die Schauspieler laufen zur Höchstform auf. Laut stöhnend auf dem Küchentisch liegend, täuscht Maria Wehen vor, um den unter der Jacke versteckten Grünkohl mit Pinkel vor dem polizeilichen Zugriff zu schützen. Antonia tischt eine Lügengeschichte nach der anderen auf und ruft schließlich die Heilige Eulalia an, die allzu neugierige Polizisten mit einem Fluch belegt. Rita Martens und Petra Bohlen sind gut aufeinander eingespielt und in ihren Rollen voll in ihrem Element. Das gilt auch für Herwig Dust (überzeugend die Wandlung vom demokratischen Dööspaddel zum Wutbürger) und Jürgen Müller (spitzzüngig und plietsch).

Der erste Akt geht mit dem mitreißenden Protestlied des kleinen Mannes zu Ende, der mal wieder kein Stück vom großen Kuchen abbekommt, aber für den Tüünkraam (Unsinn) der Manager und Banker geradestehen soll. Der Beginn des zweiten Aktes gehört den Gewinnern, die ein Loblied auf die Macht des Geldes singen. Mark Christian Bruns, Mario Forkel, Sven Gerstmann und André Janacek sind gut bei Stimme und auch nicht übel anzusehen.

Weniger Parolen

Literaturnobelpreisträger Dario Fo (85) schrieb die Komödie „Bezahlt wird nicht“ 1974 und aktualisierte sie zuletzt 2009. Die niederdeutsche Fassung ist auf dem neuesten Stand in Sachen Börsen-, Euro- und Finanzkrise, kurz „Daalslag in de Wirtschaft“ genannt. Überhaupt lässt sich plattdeutsch manches besser auf den Punkt bringen. „Klei mi an’n Mors, Wirtschaftskrise“ sagt alles.

Maria-Elena Hackbarth strich die revolutionsromantischen Klassenkampfparolen auf ein erträgliches Maß zusammen. Das Ergebnis ist eine Inszenierung mit viel Tempo und Witz. Einfach klasse.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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