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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Entdeckung unerhörter Klänge

23.07.2019

Dötlingen Was hat sich nach seiner Meinung bei ihm zwischen dem 85. und dem jetzt bevorstehenden 90. Geburtstag am 25. Juli verändert? Auf die konventionelle Frage findet Günter Berger direkt eine unkonventionelle Antwort: „Na ja, es sind ein paar Preise in Wettbewerben dazugekommen.“ Peng! So vordergründig einfach redet eben ein Komponist voller Hintersinn.

Bergers manchmal spontan packendes, manchmal widerborstiges Werk hat einiges Aufsehen erregt. Er schätzt die eigene Bedeutung so selbstbewusst wie selbstkritisch ein. Aber Aufhebens macht er darum weniger. Muss er auch nicht. Jedes Opus spricht für sich, aber es biedert sich nicht an. Auf Bergers Musiksprache muss man sich schon recht intensiv einlassen.

Besondere Prägung

Die Offenbarung des Johannes hat seine Musik besonders geprägt. In ihr fand er Halt, nachdem die Familie die oberschlesische Heimat hatte verlassen müssen. Nach dem Kirchenmusikstudium in Berlin wurde Delmenhorst sein erster Lebensschwerpunkt. Von 1955 bis 1976 wirkte er als Kantor an St. Marien. Er erhielt Lehraufträge an der Pädagogischen Hochschule Vechta und wirkte fast 20 Jahre als Professor an der Hochschule für Künste in Bremen.

Den Lebensmittelpunkt hat er mit seiner Frau Elke Tholen in Dötlingen im Landkreis Oldenburg gesetzt. Wer ihn besucht, spürt zum einen den Ernst in der Auseinandersetzung mit der Musik. Man merkt das schon rein äußerlich, denn vom Wilhelmshavener Orgelbauer Alfred Führer hat er sich eigens eine Orgel ins Haus einpassen lassen. Zum anderen erlebt man die Universalität des Menschen Berger. Er ist ja nicht nur Komponist, er ist auch Pianist, Schriftsteller, Philosoph und Bildender Künstler, das im Duo mit seiner Frau. Deren Skulpturen zieren den Garten.

Es liegt nahe, dass er gern Wort und Musik miteinander verbindet, angereichert auch durch eigene Bildcollagen. Wenn es bei ihm harmonisch wirkt, muss der Hörer aufpassen. Berger legt gern Zeitepochen übereinander oder nebeneinander und rüttelt mit plötzlich quer stehenden Akkordschichtungen, die dann dissonant wirken. Das tritt bei üppig besetzten Ensembles ebenso ein wie bei solistischer Intimität oder Kantaten mit ihren Verkündigungen. Olivier Messiaen und Bela Bartok seien Vorbilder, räumt er ein. Könnte man ihn vereinfacht in die Schublade Postmoderne einordnen? Dazu ist er zu eigenwillig. Günter Berger ist eben doch Günter Berger.

Einen Fixpunkt in seinem Leben stellt das Jahr 1991 dar. Da wurde ihm in Neuss der 1. Preis für seine „Passion nach Johannes für Soli und gemischte Chöre“ zuerkannt. „Das hat für mich einen Kreis geschlossen.“ Was seinen tiefgründigen Ernst ausmacht, beschrieb später beim hochrangigen Wettbewerb „Zeitgenössische Geistliche Musik“ in Schwäbisch Gmünd die Jury so: „Die theologische Dimension ist überzeugend dargestellt.“ Da hatte er mit „El Roi Impressionen“ beeindruckt. Viele Preise sind gefolgt, in Frankfurt, Wien oder zuletzt in Stuttgart. Über 20 sind es mittlerweile.

Ständige Neugier

Mit ständiger Neugier überlistet Günter Berger offenbar 2019 immer noch die natürlichen Auswirkungen seines Geburtsjahrs 1929. „Däumchen drehe ich nicht“, sagt er. „Im Grunde komponiere ich immer weiter.“ Selbst bei der Orgel, die ihn ja lebenslang begleitet hat, entdeckt der 89-Jährige noch unerhörte Klänge. „Haben Sie schon mal genau hingehört, wie das ist, wenn der Orgelwind nachspielt?“, fragt Berger. „Ist das nicht faszinierend, wenn er dann verblasst und ganz unschuldig verschwindet?“

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