DöTLINGEN - Ein offenes Wort zur Begrüßung: „Bisher kannte ich Delmenhorst und Umgebung hauptsächlich von den Stauwarnungen und Umleitungsempfehlungen. Das war ein Fehler.“ Mit diesem Eingeständnis verband Nicole Heesters zugleich ein Kompliment für ihren Auftrittsort, das Dorf Dötlingen: „Ein entzückendes Städtchen, ich nenne es so, und eine entzückende Kirche.“ Die bekannte Schauspielerin, erste Tatort-Kommissarin der Fernsehgeschichte, eröffnete so den Freitagabend in der Dötlinger St.-Firminus-Kirche. Rund 150 Besucher verfolgten konzentriert-nachdenklich, mitunter lachend, die Weihnachtsüberraschung 2008 der Dötlingen-Stiftung.
Der TV-, Film- und Theaterstar nahm die Zuhörer mit auf eine Reise rund um den Globus mit Weihnachtsgeschichten aus anderen Ländern. Am Akkordeon begleitete sie der Hoykenkamper Fred Molde mit irischen Balladen und Liedern.
„Sie ist eine charmante Dame“, stellt Eckehard Hautau von der Dötlingen-Stiftung den prominenten Gast kurz vor, „ich durfte sie vom Bahnhof in Bremen abholen.“ Direkt aus ihrem Wohnort Hamburg war die 71-Jährige am Nachmittag angereist, direkt nach dem Auftritt ging es zurück an die Elbe. Die Lesung in Dötlingen: ein Intermezzo zwischen den laufenden Proben am Theater Zürich unter Regisseur Peter Zadek.
Die Auftaktgeschichte verdeutlichte schon, dass mit einem Übermaß an weihnachtlicher Besinnlichkeit kaum zu rechnen war. Mit ihrer klaren, ebenso markanten Stimmen stellte Heesters eine Kneipenszene einen Tag vor Weihnachten nach, aus der spitzen Feder der Schriftstellers und Satirikers Robert Gernhardt. Da suchen die Zechbrüder nach dem Sinn des Festes und werfen so ziemlich alle Begriffe durcheinander, die in einem christlichen Schnellkursus auftauchen könnten. Der Wortwitz des Textes und die Präzision des gestenreichen Vortrags forderten immer wieder Lacher im Publikum heraus. Ganz anders ging es danach weiter, in Shanghai. As der Feder von Joe Lederer eine ruhige Geschichte über ein ungewöhnliches Präsent, eine Mütze mit Wollfäden, die als Symbol für Stunden des Glücks standen. Vor der Pause noch ein Wechsel nach New York: eine lange Geschichte des amerikanischen Autors Paul Auster über ein besonderes Weihnachtserlebnis in Brooklyn. Nach dem Apfelpunsch als
Pausengetränk für die Gäste hatte Heesters Texte von Josef Roth, Bert Brecht („Das Paket des lieben Gottes“) und ein Weihnachtslied aus Afrika vorbereitet.
