DÖTLINGEN - „Othello“ oder „Der Mohr von Venedig“: Shakespeares Tragödie spielt in Venedig und auf Zypern Anfang des 16. Jahrhunderts und zeigt eine groß angelegte Eifersuchtstragödie. Kein leichter Stoff. Was aus dem tragischen Shakespeare-Schauspiel wird, wenn sich ihm ein Vollblut-Komödiant, Regisseur und Stückeschreibe wie ein Bernd Lafrenz annimmt, davon konnten sich am Freitagabend während der Kultur-Pur-Veranstaltung der Dötlingen-Stiftung im Heuerhaus die Zuschauer ein Bild machen.
Was Lafrenz den rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauer bot, waren Witz, Einfallsreichtum und eine engagierte Version des Othello-Klassikers. Ob in der Rolle des Dogen von Venedig, als Matrose oder Othello selber, dem vornehmen Mohr, der im Dienste des venetianischen Staates steht: Gekonnt komödiantisch schlüpfte Bernd Lafrenz als Einzelunterhalter in die verschiedenen Schauspielrollen. Ein Balanceakt frei nach Shakespeare; unterhaltsam und witzig.
Wohl kaum einer der Besucher hat Othello in diesem leichten, fast beschwingten Rahmen schon einmal erleben können. Beeindruckend stellt Lafrenz sein Talent unter Beweis, schlüpft in die Rolle des kriegerischen Jago, um Sekunden später in neuer Pose als Feldherr mit gebieterischer Stimme und entschlossener Mimik zu glänzen.
Während des internationalen Theater-Festivals in St. Vith (Belgien) erhielt Bernd Lafrenz für seine „Othello“-Interpretation den Preis der deutschsprachigen Gemeinschaft für herausragende Leistung. Nicht von ungefähr.
Schon im Alter von 26 Jahren beendete der 1955 in Kiel geborene Vollblut-Komödiant seine Schauspielausbildung. Seit dem ist er auf Tour, heimst Preise, Lob und Ehrungen ein. Eine vollkommene Beschreibung des schauspielerischen und komödiantischen Talents von Lafrenz ist kaum möglich. Man muss schon dabei gewesen sein, und die „Shakespeare-Show“ miterlebt haben. Denn das Publikum wird ein Teil des Abends: hier gedrückt, umarmt, dort angesprochen oder einfach mit Umhang und mehr zum tobenden Meer umfunktioniert.
Fazit des Abends: Eine derart turbulente und mitreißende Veranstaltung erlebt die Reihe „Kultur pur“ im Heuerhaus sicherlich nicht alle Tage.
