Dötlingen - Sechs Wochen leben und arbeiten in Dötlingen gehen für Wladimir Barantschikov am Sonntag zu Ende. Der gebürtige Kirgisier, Jahrgang 1953, folgte einer Einladung der Dötlingen-Stiftung, seine Kunst in der Müller-vom-Siel-Kate nicht nur auszustellen, sondern hier auch zu malen. An diesem Wochenende (Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr) besteht die letzte Möglichkeit, den Künstler kennenzulernen und damit in die Welt Barantschikovs, der als Meister des Fantastischen Realismus gilt, einzutauchen.
Es ist ein Besuch, der sich für Kunstinteressierte lohnt. Kaum ist die Eingangstür nach dem Betreten der Kate wieder ins Schloss gefallen, wird der Betrachter von den vielen Eindrücken der auf den ersten Blick fast unzähligen Arbeiten an den Wänden, teilweise am Boden an die Wand gelehnt oder sonst in einer freien Ecken stehend, gefangen genommen.
Ganz oben an der Wand ist ein Porträt Rembrandts. „Ich bin ein großer Verehrer“, so Barantschikov. Weiter geht es mit klassischer Malerei mit Motiven aus dem „Goldenen Zeitalter“, der Blütezeit der Malerei in den Niederlanden, dazu das Triptychon als eines der Lieblingswerke. Der Maler nennt es „Traum“.
Traumdeutung
Allein diese Arbeit benötigt Zeit, um den Ausdruck zu erfahren, alle Details zu sehen und für sich eine Traumdeutung zu finden. Viele Gesichter sind in warme und starke Rottöne verpackt, darin tauchen immer wieder neue schemenhafte Gestalten, Körper oder Antlitze auf. „Alles verändert sich in der Natur. Wir sind Teil davon“, erklärt Barantschikov, fast ein wenig in Gedanken versunken, zugleich aber auch voller Tatendrang, weiter in dieser Richtung zu arbeiten.
In neuesten Werken lässt der Gast der Dötlingen-Stiftung die digitale Welt Einzug halten. „Ich suche im Internet nach Formen und Bizarrem. Dort werde ich reichlich fündig. Das Gefundene drucke ich auf Leinwand aus, um es zu bearbeiten.“ Er ist davon überzeugt, dass Menschen nicht durch Politik, sondern über verschlungene Wege der Finanzwelt regiert werden.
Barantschikov verarbeitet seine Vermutungen in Collagen. Das sind die Vorlagen für seine Malereien, die vorwiegend in Öl entstehen. „Da habe ich Zeit, beim Trocknen die weiteren Schritte zu überlegen“, erklärt er. Er arbeitet auch in Acryl oder in Ei-Tempora, vollendet dann mit Pinsel und Farbe. „Junge Leute spricht so etwas an. Ältere Kunstliebhaber haben damit manchmal ein Problem.“ Die Fülle der Arbeiten lässt für jeden genügend Spielraum, wie die Ausstellung beweist.
Wladimir Barantschikov ist bereits zum zweiten Mal in der Müller-vom-Siel-Kate als Gast aktiv. „Ich kenne die Gegend hier sehr gut, denn ich habe private Kontakte im Landkreis. Dötlingen finde ich immer sehr ansprechend und inspirierend. Kunstliebhaber gibt es hier viele.“ In den vergangenen sechs Wochen konnte der Gastkünstler einige Auftragsarbeiten annehmen und Arbeiten verkaufen.
1983 absolvierte er die Akademie der Künste in St. Petersburg, eröffnete sein eigenes Indoor-Design-Unternehmen und arbeitete zehn Jahre lang an Kunstprojekten in Russland, Kirgistan und Usbekistan. Seit 1995 lebt er als freischaffender Künstler in Gunzenhausen/Bayern.
Kreative Zeit
Studienreisen in die Niederlande, in die Pyrenäen und nach Mexiko beeinflussen seine neuen Arbeiten. Gemalt werden von ihm gerne Landschaften, die an Van Gogh erinnern, aber auch üppige Traumbilder, wie von Bruegel gemalt, bis hin zu phantastischen Figuren und mystischen Wesen.
Hinter allem steht ein Gedanke: „Ich bin Maler und nur glücklich, wenn ich malen kann. Ich halte es kaum länger als zwei Tage aus, nicht zu arbeiten.“ Damit nutzte Barantschikov seinen Aufenthalt in Dötlingen entsprechend kreativ. Wie in der Kate ja nicht zu übersehen ist.
