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46 Millionen Euro für „Seute Deern“
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Aktualisiert vor 3 Minuten.

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46 Millionen Euro für „Seute Deern“

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Als selbst die Liebe verboten war

09.11.2019

Dötlingen Luzie liebt Jurek. Jurek liebt Luzie. Eigentlich eine ganz normale Geschichte, erwähnenswert vielleicht gerade für die, die Luzie und Jurek kennen. Die Liebe der beiden ist aber verboten, weil Jurek als polnischer Zwangsarbeiter bei einem Bauern arbeitet und Luzie eine Deutsche ist. Während des Krieges unter der Diktatur der Nationalsozialisten war eine solche Verbindung verboten und mit härtesten Strafen bedroht. Die Liebe von Luzie und Jurek, die sich unter dem Druck der Gewaltherrschaft entfremden und später getrennte Wege gehen, ist der Stoff für Helga Bürsters Roman „Luzies Erbe“, der jetzt im Insel Verlag erschienen ist und im Verlagsprogramm zum Spitzentitel des Herbstes bestimmt wurde.

Die 58-jährige Autorin aus Dötlingen (Landkreis Oldenburg) hat in „Luzies Erbe“ die Liebe ihrer Großeltern zum Thema eines Romans gemacht. Ein ganz wunderbares Buch, das darf man schon einmal vorweg verraten, das einem ein beklemmendes Kapitel deutscher Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger, sondern durch das Agieren der handelnden Personen nahebringt. Helga Bürster erzählt die Geschichte überwiegend aus der Sicht der Enkelin Johanne, die das Schweigen der Familie über diese Beziehung der Großeltern nicht erträgt. Und in der Tat war es bei Helga Bürsters eigener Familiengeschichte genau so.

Der Großvater war in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und nach einer Zeit in einem der Emsland-Lager auf einen Hof bei Dötlingen gekommen, wo Helga Bürsters Großmutter ihn kennenlernte. Zwei Töchter wurden geboren, doch durch ein Wunder hatte es für beide keine Konsequenzen. Es gibt zahlreiche Beispiele, in denen sogenannte Fremdarbeiter aus dem Osten oder Kriegsgefangene wegen des Kontakts mit deutschen Frauen hingerichtet wurden. Umgekehrt wurden deutsche Frauen wegen der Beziehung zu einem Kriegsgefangenen in Konzen-trationslager gesteckt.

Warum die Großmutter und ihr Partner im realen Leben der Verfolgung entgingen, blieb ein Familiengeheimnis. „Darüber wurde nie geredet“, erzählt die Autorin. Ihr Großvater hatte später die Familie verlassen. Es gab lockere Kontakte. Aber warum der Großvater aus Polen nach Deutschland kam (und nach dem Krieg in Deutschland blieb), das war ein Tabu-Thema. Helga Bürster hat ihre Großeltern noch einmal dazu befragt, es aber nicht herausbekommen. So bleibt es auch im Roman offen, warum Jurek nicht denunziert wurde so wie es anderen Polen erging, die dafür mit dem Leben bezahlen mussten.

Der Einstieg der Romanhandlung ist der Tod der greisen Patriarchin Luzie. Die kann nicht sterben. „Deine Großmutter hat bannig Last damit. Muss wohl noch was mit sich ausmachen“, sagt der Dorfarzt zu Luzies Enkelin Johanne. Die stellt rasch fest: „Luzie war nicht mehr, aber nichts war vorbei.“ Die Vorbereitung der Beerdigung bringt die Familie zusammen, und Helga Bürster wickelt daran die Fäden auf, die das Schweigen der Familie ausmachen.

Nach und nach kommt die Geschichte der verbotenen Liebe, das dörfliche Leben (Dötlingen steht Pate, wird aber nie genannt), die Machtstrukturen der Nazi-Herrschaft, deren Ende und auch die Trennung der beiden Liebenden ans Licht. Jurek arbeitete für die britischen Truppen, er sieht die kleine Familie am Wochenende. Und irgendwann gar nicht mehr. Den Grund für das traurige Ende der stark geprüften Beziehung hat Helga Bürster im Roman interpretiert. Sie schildert ihren Großvater als Heimatlosen, der sich bewusst ist, dass mit einem, der nirgendwo hingehört, kein Staat zu machen ist. So verschwindet er.

Eine starke Geschichte, anrührend erzählt aus vielen Perspektiven. Kein Wunder, dass dieser Roman seine Leser findet.
Helga Bürster lebt seit 1996 als freiberufliche Autorin. Neben Krimis hat sie schon einmal einen historischen Stoff aus Dötlingen verarbeitet: „Rogge“ heißt das prämierte (hochdeutsch-plattdeutsche) Hörspiel, das die Ermordung des Bauern Willi Rogge aus Dötlingen in den letzten Kriegstagen 1945 zum Thema hat. Er wurde als vermeintlicher Verräter von fanatischen Nazis ermordet.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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