DÖTLINGEN - Ein fulminanter Auftakt der Reihe KulturPur glückte der Dötlingen Stiftung nach der Sommerpause vor voll besetztem Haus im Heuerhaus Dötlingen. Zu einem humorvollen und literarischen Tucholsky-Abend lud der Rezitator und Musiker Oliver Steller ein. Ein gekonnter Glücksgriff, wie sich zeigte.

Beiratsvorsitzender Harald Meyer begrüßte in gewohnter Manier die Anhänger der monatlichen Kultur-Pur-Veranstaltung. „Die Sommerpause ist beendet. Heute starten wir in das neue Programm.“ Und das gelang mit einem „Hochkaräter“. Egal, ob Oliver Steller in die Saiten seiner wohl abgestimmten Konzertgitarre griff oder ob er den oft selbstverliebten Tucholsky rezitierte: Immer kam ein Stück Steller mit rüber – mit Humor, Charme und greifbarem Kontakt zu seinem Publikum.

„Lieder und Texte von Kurt Tucholsky“ – diesen Arbeitstitel setzte Steller mit jazz- und blues-beeinflussten Kompositionen mitreißend um und zeichnete dabei gleichermaßen das Leben und den Zeitgeist Tucholskys auf. Die einfühlsamen Musikeinlagen und die biografische Erzählungen lassen Tucholsky als Denker, Dichter aber auch zerrissene Person auftreten, interpretiert durch Steller, der mehr im Hintergrund die Fäden spannt. Letztendlich ein unvergesslicher Abend, der nicht nur Literaturliebhaber in seinen Bann zog.

Oliver Steller ist Jahrgang 1967, lebt bei Köln und ist von Beruf eigentlich Musiker. Sein Musikstudium (Gitarre, Komposition und Gesang) absolvierte er in den USA und arbeitete in Chicago als freischaffender Musiker und Sänger. Zudem wirkte er bei Aufnahmen der Bands von Miles Davis und Carlos Santana mit. Für Lutz Görner, Deutschlands wohl bekanntester Rezitator und Mentor von Oliver Steller, galt er als Meisterschüler.

Mit 100 000 verkauften CDs, zehn Bühnen-Programmen, gilt er nach dem zehnjährigen Rezitator-Jubiläum schon lange nicht mehr als Geheimtipp. Mit seinem Rilke-Programm feierte als „die Stimme deutscher Lyrik“ seinen größten Erfolg.

Die nächste KulturPur-Veranstaltung lädt am 24. Oktober zu einem Abend mit Bernd Lafrenz „Othello frei nach Shakespeare“ ein. Beginn ist erneut um 19.30 Uhr.