DöTLINGEN - In Sachen Kultur sind die Dötlinger mittlerweile nahezu erfahrene Ausstellungsbesucher, Kunstliebhaber, Hüter von Traditionen, aber eben auch Konzertbesucher. In der sonst eher beschaulichen und durch historische Bausubstanz geprägten Gemeinde sorgt vor allem die Dötlingen Stiftung mit der Reihe „Kultur Pur“ für kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Prägung. Höhepunkt ist dabei stets die „Weihnachtsüberraschung“, schon aus Platzgründen aufgeführt in der St.-Firminus-Kirche in Dötlingen. So auch am vergangenen Sonnabend vor nahezu voll besetzten Kirchenbankreihen.

Mit Ferenc Snetberger, er gilt als Jazzgitarrist der Sonderklasse mit internationalem Renommee, hatte die Stiftung einmal mehr den Spagat geschafft, Anspruchsvolles mit dem Geschmack und Anspruch der Zuhörer – nicht nur aus der Gemeinde – zu kombinieren. Für viele Zuhörer-Ohren gab es vollends neue Klänge und Rhythmen zu hören, war die Fingerakrobatik auf den sechs Gitarrensaiten in der Dorfkirche in Dötlingen schon fast ein Zauber. Zugegeben ein vorweihnachtlicher Zauber, zu dem die Effektbeleuchtung ihren Teil beitrug. Diese soll künftig auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen, deswegen wurde am Ende auch um Spenden gebeten.

Ferenc Snetberger, dessen Virtuosität in der Ankündigung als „ausbalancierte Gratwanderung zwischen klassischer Gitarrenliteratur, improvisiertem Jazz und östlicher Folklore“ beschrieben worden war, verstand es meisterlich, in seine Musikwelt zu entführen, seine Improvisationen zu eigenen und bekannten Stücken mitfühlen zu lassen. Wer den typischen Rhythmus zeitgenössischer Musik suchte, war hier fehl am Platze. Immer wieder überraschte Snetberger mit seinen impulsiven, fast ausbruchartigen Passagen, mit schnellem Fingerlauf über die Saiten, dem mehrstimmigen Zupfen oder dem fast harten Bearbeiten des Instrumentes.

Ferenc Snetberger wurde 1957 in Nordungarn als jüngster Sohn einer Musikerfamilie geboren. Er studierte klassische Musik und Jazzgitarre. Heute gilt der Gitarrist und Komponist als Meister der Improvisation. Geprägt von der Roma-Tradition seiner Heimat, aber auch von brasilianischer Musik und dem Flamenco sowie klassischer Gitarre und natürlich Jazz, hat der Wahl-Berliner zahlreiche CD-Veröffentlichungen herausgebracht.

Eingangs hatte Gerti Essing im Namen der Dötlingen Stiftung neben den Gästen und Ferenc Snetberger auch Pastor Hartmut Lübben begrüßt. Letzterer las Passagen aus Thomas Manns „Buddenbrooks“ und nach der Pause einen Beitrag von Bertolt Brecht.