DöTLINGEN - In loser Abfolge stellt die NWZ Privatgärten vor, die sich an der Aktion „Sommergärten” beteiligen. Die „Vogelhögte“ schließt die Reihe ab.

von anja rohde

DÖTLINGEN - Als sie 1974 das Grundstück kauften, standen dort nur Eichen und ein paar Obstbäume rund um das verfallene Haus. „In die Eichen haben wir uns verliebt“, sagt Helga Schöning.

Im März des selben Jahres legten sie eine etwa fünf Meter breite Vogelschutzhecke rund um das Grundstück an. Hier und überall im Garten brüten inzwischen etwa 30 verschiedene Vogelarten vom Zaunkönig bis zum Gelbspötter. Und sogar Schleiereulen ziehen ihren Nachwuchs im Dachfirst des Wohnhauses groß. Über eine Kamera, die im Innenraum der Gaube angebracht ist und ihre Bilder auf einen Monitor sendet, verfolgt Helga Schöning die Entwicklung des Eulen-Nachwuchses. „Mein Lieblingsfernseher“, sagt sie und klopft auf den Bildschirm.

Den Garten, den sie über die Jahre hinweg gemeinsam mit ihrem Mann Alvred Schöning angelegt hat, bezeichnet sie als „gelenkte Wildnis“. Zwischen den hohen Gräsern wachsen etwa 145 verschiedene Rosensorten und verbreiten ihren Duft. Ungewöhnliche Baumarten wie die Mähnenfichte, chinesische Papierbirke und die schlitzblättrige Buche wachsen im Gelände.

Lediglich die Wege sind frei gehalten und werden regelmäßig gemäht. Nur auf ihnen dürfen Besucher den urwüchsigen Garten auf eigene Faust erkunden, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören.

Ein etwa 50 mal 15 Meter breiter und drei Meter tief angelegter Schwimmteich, der Kröten, Libellen, Wasserfledermäuse und Teichhühner anzieht, wird mit Grundwasser versorgt, das das Ehepaar Schöning mit einer Pumpe aus den Tiefen holt. Das regelmäßig kontrollierte Quellwasser rauscht aus der „Karlsquelle“, die ihren Namen der bronzenen Karl Marx-Büste aus Beständen der Nationalen Volksarmee in Königs Wusterhausen verdankt, durch einen kleinen Bachlauf in den See. Immer wieder stößt der Besucher auf Kuriositäten wie den alten Wasserkessel, der mit Kunstplakaten beklebt zur Litfassäule umfunktioniert wurde und das Schiffsgeschütz, vermutlich skandinavischer Herkunft, welches ein Fischer aus dem Kattegat geborgen hat. Helga und Alvred Schöning haben dem katasteramtlich eingetragenen Namen „Vogelhögte“ mit ihrem Einsatz für Vögel neues Leben eingehaucht. Auch Freunde und Nachbarn haben sie überzeugt mitzumachen: Inzwischen nisten drei weitere Eulenpaare in Brutkästen der Umgebung.