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Nachfrage Dorf macht kein großes Theater

Lea Bernsmann

Harbern - Kühe und Felder, Weiden und Höfe. Im Rückspiegel eine Mähmaschine. Vorweg tuckert ein Trecker: Wer durch Harbern II fährt, kriegt idyllische Szenen des Landlebens zu sehen – kein großes Theater eben.

Seltene Fragen

Wäre nicht ungewöhnlich, würde da nicht dieses Schild an der Saarländer Straße sein. „Freilichtbühne Harbern“ steht darauf. Und tatsächlich versteckt sich hinter den Bäumen ein Backsteinhaus mit einer kleinen Empore. Was wird hier gespielt? „Seit 20 kein Theaterstück mehr“, sagt Jürgen Logemann. Und damals sei auch das einzige Mal gewesen, dass Schauspieler die Freilichtbühne betreten hätten. Das war vor seiner Zeit: Seit zwölf Jahren ist der Landwirt Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins Benthullen-Habern. Als solcher kann das Rätsel um den irreführenden Namen lösen. Oft muss er das nicht: „Die Leute von hier fragen nicht. Nur mal Fremde wollen wissen, was hier für ein Theater ist.“ Denen gibt er dann die kurze Version der Geschichte zur Antwort: „Das war mal geplant, hat sich aber als schwierig herrausgestellt.“

Und nun ausführlich: „Anfang der 90er Jahre war hier nichts. Wiese. Ein Gemeindegrundstück. Nebenan ein Sportplatz“, sagt der 54-Jährige. Damals gab es ein paar Meter weiter eine Gaststätte, dessen Betreiber auch Ratsherr und Mitglied des Bürgervereins war. Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden brachte er die Idee ins Spiel, einen Gemeinschaftsort fürs Dorf zu schaffen. „Das hat uns gefehlt“, sagt Jürgen Logemann – „das Projekt lief unter dem Oberbegriff Freilichtbühne.“ Der Bürgerverein hatte noch eine eigene Theatergruppe, die dort auftreten sollte. Ist sie: einmal. Bei der Eröffnungsfeier. Ein Jahr lang hatten viele Bürger aus Harbern und Benthullen das Haus aufgebaut: „Da mussten drei Meter Moor ausgehoben, Pfeiler errichtet und Wege gepflastert werden. Sogar das Dachdecken haben Ehrenamtliche übernommen“, sagt Jürgen Logemann, der selbst einer der Helfer war. Die Gemeinde hat das Projekt mit 70 000 D-Mark unterstützt. Weil: es sich nicht Dorfgemeinschaftshaus nannte. „Solange in näherer Umgebung Gasthäuser sind, gibt die Gemeinde keine Genehmigung heraus – zum Schutz der lokalen Wirtschaft“, sagt Jürgen Logemann.

Keine passende Gruppe

Geschauspielert war der Plan einer eigenen Bühne jedoch nicht: Sogar drei Türen für Auf- und Abgänge der Schauspieler gibt es. „Die Idee war da. Und toll“, sagt der 54-Jährige. Ensembles, die herpassen – mit bodenständigen Schwanks – bezahlbar sind und im Sommer auftreten, ließen sich jedoch schwer auftreiben. Und dann? „Haben versucht dem Namen zumindest entgegen zu kommen“, sagt der Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins.

Einmal im Jahr stehen hier Sänger auf der Bühne: beim Sommerchorkonzert. „Dies Jahr hat es geregnet. Das war ärgerlich“, sagt Jürgen Logemann. Auch so ein Problem mit dem Freilichtspektakel.

Viele glückliche Nutzer

Im Grunde spielt das mit der Bühne aber auch gar keine Rolle mehr: „Wir machen hier Grillfeste und im Herbst Lagerfeuer und Laternenumzug. Der Verein tagt im Haus, es finden Nachbarschaftsbesprechungen statt und wir haben die Plattschnacker aufgenommen, als die Gasthöfe ringsrum dicht gemacht haben“, sagt Jürgen Logemann. Auf dem Spielplatz des Grundstücks wird munter geschaukelt. Neulich haben die Pfadfinder ihre Zelte vor dem Backsteinhaus aufgeschlagen, ebenso eine Motorradgruppe. Geburtstage werden hier gefeiert. Und Hochzeiten. Wer will kann die Räume für private Feste mieten.

„Eigentlich fehlt uns nicht viel“, sagt Jürgen Logemann und lässt seinen Blick zufrieden entlang der Kühe, Felder, Weiden und Höfe schweifen. Großes Theater? Braucht die Dorfgemeinschaft nicht.

Bühnenensembles können sich aber gern bei ihm melden ( t  0 44 07/88 41). Fürs Vermieten ist Anke Backhus ( t  0 44 07/83 33) zuständig.

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