Jever - Wer erinnert sich nicht an die spektakuläre Verwechselungsszene der Oscar-Verleihung in diesem Jahr? Die bereits als beste Hauptdarsteller geehrten Schauspieler von „La La Land“ standen schon auf der Bühne, als korrigiert wurde: Nicht ihr Film, sondern „Moonlight“ soll den begehrten Preis „bester Film“ erhalten.
Regisseur Barry Jenkins erzählt in „Moonlight“ in drei Kapiteln vom Erwachsenwerden von Chiron, der mit seiner Mutter in einem Stadtteil Miamis lebt, in dem weiße Amerikaner nicht mehr wohnen. Das erste Kapitel zeigt Chiron als stillen Jungen, der von seiner Mutter nur „Little“ genannt und von Gleichaltrigen drangsaliert wird. Als er wieder einmal vor den „Bullys“ flüchten muss, findet er Unterschlupf ausgerechnet bei dem Dealer, der seine Mutter mit Crack versorgt.
Dealer Juan – dargestellt von Oscar-Preisträger Mahershala Ali – und dessen Freundin Teresa (ebenfalls grandios: Janelle Monàe) stärken Chirons Selbstbewusstsein und machen so den Beginn einer Jungenfreundschaft möglich.
Drogen, Zuhälterei, Gewalt in Schulen, Rassendiskriminierung, Homophobie – Themen genug für düstere Filme mit Schwarz-Weiß-Malerei und Schuldzuweisungen. Doch genau das will Barry Jenkins nicht. Er ermöglicht dem Zuschauer mit eindrucksvollen, ästhetischen Bildern und ganz eigenen Kameraeinstellungen, sich auf die Menschen, ihr Verhalten und ihre Gefühle zu konzentrieren.
Jenkins gelingt außerdem ein Kunststück. Da zwischen den drei Kapiteln jeweils viele Jahre liegen und gerade junge Menschen ihr Aussehen stark verändern, musste er viele tragende Rollen dreifach besetzen.
Gezeigt wird der Film am Mittwoch, 17. Mai, im Kino Jever um 20.05 Uhr; Einlass ist ab 19.30. Die KinoKult-Gruppe der Kinofreunde Friesland reicht diesmal kalifornischen Weißwein und Knabbereien.
