Cloppenburg - Theater mit Aussage, Anspruch und Tiefgang hat sich die Studio-Bühne Cloppenburg seit ihrer Gründung im Januar 2010 vorgenommen. Die Liste ihrer bisher inszenierten Stücke könnte es mit dem Spielplan jedes Stadt- oder Staatstheaters aufnehmen. Sie reicht von Georg Büchners „Woyzeck“ und „Dantons Tod“ über Dale Wassermans „Einer flog übers Kuckucksnest“ bis zu Arthur Millers „Hexenjagd“. Nur Boulevard-Stücke standen bisher nie auf dem Spielplan.
Die Initiative hatte seinerzeit Hubert Gelhaus ergriffen, der viele Jahre die Oberstufen-Theater AG am Clemens-August-Gymnasium in Cloppenburg geleitet hat. Den Sprung in die Selbstständigkeit hat er nie bereut. Ein Leben ohne Theater, sagt er, könne er sich nicht vorstellen: „Das ist eine Leidenschaft.“
Inzwischen habe sich die Bühne in Cloppenburg etabliert und sei zu einer kulturellen Institution der Kreisstadt geworden. Elf Stücke für jeweils drei bis vier Aufführungen pro Saison wurden in den ersten sechs Jahren auf die Bühne gebracht. Dem Ensemble gehören 25 Mitwirkende an, die vor und hinter den Kulissen agieren. Drei Generationen sind vertreten. Das jüngste Mitglied ist 14, das älteste – der Bühnenleiter selbst – 67 Jahre alt. Ausgewählt werden die Stücke gemeinsam. Gelhaus macht einen Vorschlag, über den anschließend diskutiert wird.
Anfangs fanden die Vorstellungen noch in der Volkshochschule statt. Das sollte sich ändern, als die Bühne im Jahr 2015 in den Kulturbahnhof Cloppenburg umziehen konnte, der Platz für 160 Zuschauer bietet. „Für uns genau richtig“, sagt Gelhaus. Zum Einstand im Kulturbahnhof stand die griechische Komödie „Lysistrata“ von Aristophanes auf dem Programm. Perfekt inszeniert mit chorisch aufsteigenden Sitzreihen, Empore und aufwendiger Technik.
Derzeit probt die Studio-Bühne „Die chinesische Mauer“ von Max Frisch aus dem Jahr 1946. Das Stück spielt im alten China des 7. Jahrhunderts v. Chr., als die chinesischen Kaiser ihr Reich durch eine 21 196,18 Kilometer langen Mauer vor eindringenden Mongolen schützen wollten – die größte Mauer, die in der Geschichte der Menschheit je errichtet wurde.
Die „Farce“, wie Max Frisch sein Werk im Untertitel bezeichnet hat, scheint gerade eine reale und erschreckende Parallele in den USA zu bekommen, wo Präsident Donald Trump vorhat, eine gigantische Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Die Cloppenburger Studio-Bühne wird wohl auch diesmal ihren eigenen Ansprüchen gerecht.
Aufführungstermine sind am 9., 10. und 13. Juni. Beginn jeweils um 19.30 Uhr im Kulturbahnhof.
