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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Drei Titanen der Leinwand

04.04.2007

LOS ANGELES Die gescheite, aber zickige Lady, der Western-Haudegen und der elegante Baron konnten unterschiedlicher kaum sein. Zusammen wären sie im Mai 300 Jahre alt geworden.

Von Dierk Strothmann LOS ANGELES - Es gibt sie immer wieder, die „verrückten“ Monate, in denen alles auf einmal geschieht. Für Hollywood war es der Mai 1907: Da erblickten nicht weniger als drei absolute Weltstars das Licht der Welt: Katharine Hepburn, John Wayne und Laurence Olivier.

100 Jahre wären sie also in diesem Jahr alt geworden, die drei Leinwandlegenden. Am dichtesten dran war Katharine Hepburn. Ihr fehlten nur knapp vier Jahre. Am 29. Juni 2003 starb die am 12. Mai 1907 in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut geborene vierfache Oscar-Preisträgerin an einem langjährigen Krebsleiden und fortgeschrittenem Parkinson.

Katharine Hepburn war einmalig. Ihr spröder Charme, diese unnachahmliche Mischung aus Witz und Zickigkeit, ihr Selbstbewusstsein, ihre Kraft, ihre Intelligenz (sie hatte einen Universitätsabschluss in Philosophie und Geschichte), ihre Schlagfertigkeit, ihre edle, wenn auch immer ein wenig überkandidelte Vornehmheit, alles war stets präsent.

Irgendwie war es eine hübsche Kapriole des Schicksals, dass Katharine Hepburn ausgerechnet mit ihrem nur 14 Tage jüngeren Kollegen John Wayne den vorletzten von insgesamt 153 Filmen des alten Western-Haudegens drehte. Das war 1975, und Wayne hatte nur noch wenige Jahre zu leben, bis er am 11. Juni 1979 starb. Der Streifen hieß „Mit Dynamit und frommen Sprüchen“ und war beiden auf den Leib geschrieben. Wayne spielt einen versoffenen Marshall mit viel Herz und die Hepburn die spröde Tochter eines Geistlichen, deren schärfste Waffe, ihr Mundwerk, ebenso tödlich war wie ein Colt.

John Wayne war damals schon an Krebs erkrankt, den er sich bei drei Schachteln Zigarettenkonsum täglich holte, möglicherweise aber auch beim Dreh von „Der Eroberer“ 1956 in einem von Atombombenversuchen verseuchten Gebiet in Utah. Es war ein Film, der zu den Tiefpunkten seiner Karriere zählt, denn er „gewann“ für seine Darstellung des Dschingis Khan den „Goldenen Truthahn“ für die „größte Fehlbesetzung aller Zeiten“.

1930 bekam der 1,93-Meter-Mann seine erste Hauptrolle in dem Western „Der große Treck“. Es sollten 142 folgen. Ein einmaliger Rekord. Für seine Hauptrolle als einäugiger Rooster Cogburn in „The Marshall“ erhielt er seinen einzigen Oscar.

Viel mehr, was die reine Zahl betrifft, hat auch Laurence Kerr Olivier, Baron Olivier of Brighton, oder, wie man ihn in Deutschland am besten kennt, Sir Laurence Olivier, nicht zustande gebracht. Auch er erhielt nur zwei reguläre Trophäen, war allerdings zwölfmal nominiert und bekam zwei Ehren-Oscars. Außer dieser Tatsache und jener, dass Olivier nur vier Tage älter war als John Wayne, trennen den hochherrschaftlichen Sir aus Dorking in der englischen Grafschaft Surrey unendliche Welten von dem US-Raufbold.

Sie hatten beruflich nie etwas miteinander zu schaffen, wie es übrigens auch nur eine private Verbindung zwischen Olivier und Katharine Hepburn gibt. Die war nämlich Brautjungfer, als der Engländer 1940 Kollegin Vivien Leigh heiratete.

Laurence Olivier war, und da gibt es nur wenige Gegenstimmen, der großartigste englischsprachige Schauspieler zumindest des 20. Jahrhunderts, ein Gigant des Theaters und des Films gleichermaßen. Er starb am 11. Juni 1989 im Alter von 82 Jahren.

Auf ihre Art waren sie alle drei Titanen, die blitzgescheite Katharine Hepburn, der knorrige John Wayne und der elegante Sir Lawrence Olivier, und alle drei hinterließen Lücken, die wohl nie wieder geschlossen werden können. Es sei denn, es gibt wieder einmal einen Monat wie jenen Mai 1907.

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